<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Über Rechts]]></title><description><![CDATA[Wir beobachten die Rechten, damit ihr es nicht müsst.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png</url><title>Über Rechts</title><link>https://www.ueberrechts.de</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Fri, 09 Oct 2026 17:53:20 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.ueberrechts.de/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Nils Schniederjann & Sebastian Friedrich]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Nils Schniederjann]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Nils Schniederjann]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[kontakt@ueberrechts.de]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Nils Schniederjann]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Niemand will’s gewesen sein]]></title><description><![CDATA[Eine Reportage aus Magdeburg &#252;ber geheime Stimmen, eine CDU im Selbstzerst&#246;rungsmodus und die Rolle des BSW.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/niemand-wills-gewesen-sein</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/niemand-wills-gewesen-sein</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Wed, 07 Oct 2026 04:49:42 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/52da1671-713a-4095-8e15-525a2f8ac97c_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Als Ulrich Siegmund den Plenarsaal des Landtags von Sachsen-Anhalt betritt, geht er zielsicher auf die Fotografen zu. Sie richten ihre Kameras auf ihn. Siegmund hebt den Daumen und h&#228;lt ihnen lachend seine Kaffeetasse entgegen. Darauf steht: &#8222;Linke Tr&#228;nen&#8220;. Anschlie&#223;end begr&#252;&#223;t er alle f&#252;nf Abgeordneten des BSW per Handschlag. Ihre Fraktion sitzt direkt neben der AfD. Die hat im Vorfeld durchgesetzt, in der Mitte des Plenarsaals zu sitzen.</p><p>Eigentlich geht es heute gar nicht um Siegmund. In Magdeburg werden am Dienstag der Landtagspr&#228;sident und seine Stellvertreter gew&#228;hlt. Im Mittelpunkt steht Siegmund trotzdem, denn ein paar Tage zuvor hatte er angek&#252;ndigt, sich Mitte Dezember zum Ministerpr&#228;sidenten w&#228;hlen lassen zu wollen. Er habe gen&#252;gend Stimmen f&#252;r die absolute Mehrheit zusammen. Die AfD hat 39 der 83 Sitze, drei Stimmen fehlen ihr. Wer soll sie liefern? Die CDU versichert, es werde niemand aus ihren Reihen sein. Das BSW will einzelne Projekte mit der AfD umsetzen, Siegmund aber nicht zum Ministerpr&#228;sidenten machen. Offiziell bekennt sich au&#223;erhalb der AfD niemand zu ihm. Die Frage nach den geheimen Stimmen wird den Tag bestimmen, der weit &#252;ber die konstituierende Sitzung eines Landtags hinausweisen wird.</p><div><hr></div><div class="digest-post-embed" data-attrs="{&quot;nodeId&quot;:&quot;c0327993-8c9e-4a15-8615-9d019559d7f8&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Die Landtagssitzung vom 15. bis 17. Dezember k&#246;nnte zu einem Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik werden. Es k&#246;nnte die Sitzung sein, in der erstmals ein Politiker einer rechtsradikalen Partei Ministerpr&#228;sident eines Bundeslandes wird. Und wom&#246;glich helfen dabei &#8211; nicht zum ersten Mal in der deutschen Geschichte &#8211; Stimmen von Konservativen.&quot;,&quot;cta&quot;:null,&quot;showBylines&quot;:true,&quot;showDescription&quot;:true,&quot;showImage&quot;:true,&quot;size&quot;:&quot;lg&quot;,&quot;isEditorNode&quot;:true,&quot;title&quot;:&quot;Bluff, BSW oder CDU? Was steckt hinter Siegmunds Ank&#252;ndigung&quot;,&quot;publishedBylines&quot;:[{&quot;is_guest&quot;:false,&quot;id&quot;:111371079,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!XfPS!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffed732ec-af3d-4bdd-8130-e358d6d187d6_400x400.jpeg&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Sebastian Friedrich&quot;,&quot;bestseller_tier&quot;:100,&quot;bio&quot;:&quot;Freier Journalist und Autor (u.a. NDR, Panorama, Der Freitag) Podcast + Newsletter &#8222;&#220;ber Rechts&#8220;&quot;}],&quot;post_date&quot;:&quot;2026-09-30T07:21:27.338Z&quot;,&quot;cover_image&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/e5cbf6c7-fbe3-4031-926e-f4ce8be75c49_3600x1890.png&quot;,&quot;cover_image_alt&quot;:null,&quot;canonical_url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/wie-geht-es-weiter-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-afd-bsw-cdu&quot;,&quot;section_name&quot;:null,&quot;video_upload_id&quot;:null,&quot;id&quot;:218134425,&quot;type&quot;:&quot;newsletter&quot;,&quot;reaction_count&quot;:16,&quot;comment_count&quot;:1,&quot;publication_id&quot;:4369993,&quot;publication_name&quot;:&quot;&#220;ber Rechts&quot;,&quot;publication_logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;youtube_url&quot;:null,&quot;show_links&quot;:null,&quot;feed_url&quot;:null}"></div><div><hr></div><p>Eva von Angern von der Linksfraktion setzt sich dahin, wo sp&#228;ter der Landtagspr&#228;sident sitzen wird. Sie er&#246;ffnet als dienst&#228;lteste Abgeordnete die Sitzung. Punkt 11 Uhr beginnt sie ihre Rede. Sie spricht &#252;ber Clara Zetkin, Otto Wels, den geringen Frauenanteil im Parlament, Minderheitenrechte und die W&#252;rde aller Menschen.</p><p>Siegmund dreht sich nach links, nach rechts, nach hinten, sucht vertraute Blicke, trinkt aus seiner Tasse, streicht &#252;ber sein Smartphone und sich &#252;ber die Krawatte. Er wirkt wie jemand, der sich seiner Sache sicher ist und kaum erwarten kann, dass es richtig losgeht.</p><p>Alterspr&#228;sidentin von Angern zitiert Hape Kerkeling: Demokratie sei &#8222;ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue gegen die Bequemlichkeit des Wegsehens verteidigen muss&#8220;. Raunen bei der AfD. Die f&#252;nf Abgeordneten des BSW h&#246;ren konzentriert zu. Bei der CDU schauen einige auf ihr Handy, so auch Fraktionschef und Noch-Ministerpr&#228;sident Sven Schulze. Er sitzt zur&#252;ckgelehnt, die Beine &#252;berschlagen, den Blick auf das Smartphone gerichtet. Als von Angern CDU und AfD daf&#252;r kritisiert, dass in Heidenau keine weiteren Stolpersteine im &#246;ffentlichen Stra&#223;enraum verlegt werden sollen &#8211; ein Stadtratsbeschluss, den beide Parteien zusammen gefasst haben &#8211;, ist Schulze in sein Smartphone vertieft und klopft kurz auf den Tisch. Zugeh&#246;rt zu haben scheint er nicht.</p><h3>Wenn selbst die Wahl der Schriftf&#252;hrer zum Politikum wird</h3><p>Nach der Rede klopfen Gr&#252;ne, Linke und SPD geschlossen auf ihre Tische. Beim BSW sind es nicht alle, bei der CDU bleiben in den hinteren Reihen viele still. Bei der AfD klopft niemand.</p><p>Selbst die Wahl der Schriftf&#252;hrer, eigentlich eine Routineentscheidung, wird zum Politikum. F&#252;r die AfD-Kandidaten stimmen auch CDU und BSW. SPD, Gr&#252;ne und die &#252;brigen Linken enthalten sich. Mustafa Groener von den Linken stimmt als Einziger dagegen. Hier l&#228;sst sich die Unterst&#252;tzung der CDU beobachten. Bei den folgenden Wahlen werden nur noch die Ergebnisse sichtbar sein: Sie finden geheim statt.</p><p>Kurz nach 12 Uhr dann die Wahl des Landtagspr&#228;sidenten. Das BSW hat angek&#252;ndigt, Tobias Rausch von der AfD zu w&#228;hlen. Zusammen verf&#252;gen die beiden Fraktionen &#252;ber 44 Stimmen, genug f&#252;r seine Wahl. SPD, Gr&#252;ne und Linke haben ihre Ablehnung erkl&#228;rt. Schulze empfiehlt seiner CDU-Fraktion, sich zu enthalten.</p><div><hr></div><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere jetzt <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keine Texte und Podcast-Folgen zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><div><hr></div><p>Als von Angern das Ergebnis verk&#252;ndet, springt Siegmund auf und applaudiert. Auch das BSW klatscht. Ansonsten klatscht niemand, auch nicht bei der CDU. Rausch erh&#228;lt 48 Ja-Stimmen, bei 29 Nein-Stimmen und f&#252;nf Enthaltungen. Mindestens vier Stimmen m&#252;ssen aus anderen Fraktionen gekommen sein. Sollten SPD, Gr&#252;ne und Linke ihre angek&#252;ndigte Ablehnung eingehalten haben, stammen sie aus der CDU.</p><p>Klar ist aber, dass sich maximal f&#252;nf von 14 CDU-Abgeordneten enthalten haben. Dabei hatte CDU-Fraktionschef und Noch-Ministerpr&#228;sident Schulze vorher die Enthaltung empfohlen. Da es im Plenum insgesamt nur f&#252;nf Enthaltungen gab, wei&#223; man nun, dass Schulze in dieser Frage nur ein Drittel seiner Abgeordneten hinter sich hat. Schulze hatte vorher angek&#252;ndigt, dass einige mit Nein stimmen w&#252;rden. Schulze sagt, niemand aus seiner Fraktion habe eine Ja-Stimme angek&#252;ndigt. Woher die zus&#228;tzlichen Stimmen kamen, k&#246;nne er wegen der geheimen Wahl nicht erkl&#228;ren.</p><h3>Ger&#252;chte &#252;ber einen Deal zwischen AfD und CDU</h3><p>Die Wahl ist eine Z&#228;sur: Erstmals steht ein AfD-Politiker an der Spitze eines Landesparlaments. Rausch wird Sitzungen leiten und soll die Rechte aller Abgeordneten wahren. In seiner ersten Rede verspricht er, &#252;berparteilich zu handeln. Er liest sichtlich aufgeregt ab, verliest sich. F&#252;r alle sollen dieselben Regeln gelten, f&#252;r die gr&#246;&#223;te wie f&#252;r die kleinste Fraktion. Applaus von der AfD, Klopfen vom BSW, Schweigen beim Rest, auch bei jenen, die Rausch abweichend von der Fraktionslinie gew&#228;hlt haben. Die Suche nach den geheimen Stimmen geht weiter.</p><p>W&#228;hrend der &#196;ltestenrat &#252;ber die Vizepr&#228;sidentenwahl verhandelt, reihen sich Journalisten und Abgeordnete vor der Essensausgabe der Landtagskantine ein. Es kursieren Ger&#252;chte &#252;ber einen Deal: Einige CDU-Abgeordnete sollen Rausch mitgew&#228;hlt haben, damit die AfD im Gegenzug den CDU-Kandidaten f&#252;r einen Vizeposten unterst&#252;tzt.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/niemand-wills-gewesen-sein?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/p/niemand-wills-gewesen-sein?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p>Damit die AfD neben dem Pr&#228;sidenten auch einen Vizepr&#228;sidenten stellen kann, muss die Gesch&#228;ftsordnung ge&#228;ndert werden. Die Fraktion des Pr&#228;sidenten hat bislang kein Vorschlagsrecht f&#252;r die Vizeposten. AfD und BSW beschlie&#223;en die &#196;nderung. Die CDU enth&#228;lt sich, SPD, Gr&#252;ne und Linke stimmen dagegen.</p><h3>Tillschneider erh&#228;lt f&#252;nf zus&#228;tzliche Stimmen</h3><p>Das BSW unterst&#252;tzt damit die Regel&#228;nderung, die die Wahl des AfD-Kandidaten Hans-Thomas Tillschneider erm&#246;glicht, will ihn selbst aber nicht w&#228;hlen. Tillschneider z&#228;hlt zu den radikalsten Vertretern der AfD in Sachsen-Anhalt. Das BSW spricht ihm die Eignung f&#252;r ein ausgleichendes, pr&#228;sidiales Amt ab und kritisiert seine Haltung zur R&#252;stungsindustrie.</p><p>Dann die gr&#246;&#223;te &#220;berraschung des Tages: Tillschneider erh&#228;lt 44 Ja-Stimmen, bei 38 Nein-Stimmen und keiner Enthaltung. Mindestens f&#252;nf Stimmen kommen von au&#223;erhalb der AfD. 44, das ist genau die Zahl der Sitze von AfD und BSW. Schnell macht sich im Landtag die Deutung breit, das BSW habe entgegen seinen Bekundungen doch f&#252;r ihn gestimmt. Das BSW bestreitet das. Schulze versichert ebenfalls, die CDU-Fraktion habe geschlossen gegen Tillschneider gestimmt.</p><p>Kurz darauf bekommt die CDU ihren Kandidaten Carsten Borchert mit 64 Ja-Stimmen ins Pr&#228;sidium. Mindestens 21 davon m&#252;ssen aus der AfD kommen: Nur 43 der anwesenden Abgeordneten geh&#246;ren anderen Fraktionen an. Das passt zu den Ger&#252;chten &#252;ber gegenseitige Unterst&#252;tzung, beweist sie aber nicht. Der SPD-Kandidat Armin Willingmann scheitert mit 33 Ja- gegen 48 Nein-Stimmen. Der dritte Vizeposten bleibt vorerst unbesetzt. Rausch schlie&#223;t die Sitzung.</p><p>Bei Linken, SPD und Gr&#252;nen schwanken die Gesichter zwischen Frustration und Fassungslosigkeit. Bei der AfD k&#246;nnte die Stimmung kaum besser sein. Die meisten CDU-Abgeordneten gehen in getrennte Richtungen. Schulze bleibt noch im Plenum sitzen und spricht mit zwei, drei Fraktionskollegen.</p><p>Eine halbe Stunde nach dem Ende der Sitzung sitzt Mustafa Groener auf einer Bank vor dem Landtag und denkt &#252;ber seine erste Landtagssitzung als Abgeordneter der Linken nach, sagt er im Gespr&#228;ch mit <em>&#220;ber Rechts</em>. Die CDU mache auf ihn einen stark zersplitterten Eindruck. Der Verdacht, dass einzelne ihrer Abgeordneten f&#252;r AfD-Kandidaten gestimmt h&#228;tten, best&#228;rke ihn darin, sie nicht als B&#252;ndnispartner zu betrachten. &#8222;Durch ihre Politik in den vergangenen Jahrzehnten ist die CDU mit daf&#252;r verantwortlich, dass die AfD &#252;berhaupt so stark werden konnte&#8220;, sagt er.</p><p>Vor allem gehe es darum, sich f&#252;r diejenigen einzusetzen, die keine guten Zukunftsaussichten haben, die wie er in einer Plattenbausiedlung gro&#223; werden. Die Unzufriedenen und Verlierer des Systems. Das sei die beste Politik gegen die AfD, sagt Groener, der in Magdeburg ein Direktmandat gewonnen hat.</p><h3>Das BSW weist den Verdacht zur&#252;ck</h3><p>Wer sich an diesem Abend auf die Suche nach dem BSW macht, findet seine Vertreter in einem Restaurant ein paar Kilometer vom Landtag entfernt. John Lucas Dittrich kommt raus und erkl&#228;rt auf der Au&#223;enterrasse in Ruhe den Kurs seiner Fraktion. Man sei von Anfang an transparent gewesen: Zusammenarbeit mit der AfD bei einzelnen Projekten k&#246;nne man sich vorstellen. F&#252;r Rausch habe man wie angek&#252;ndigt gestimmt.</p><p>Auf den Einwand, Rausch sei Teil einer rechtsradikalen Fraktion, verweist Dittrich auf den parlamentarischen Brauch, den Pr&#228;sidenten aus der st&#228;rksten Fraktion zu w&#228;hlen. F&#252;r das BSW sei die Frage gewesen, ob es bei Rausch konkrete Gr&#252;nde gebe, davon abzuweichen. Tillschneider beurteile man anders. &#8222;Herrn Tillschneider haben wir nicht gew&#228;hlt, wir haben auch inhaltlich begr&#252;ndet, warum nicht&#8220;, sagt Dittrich im Gespr&#228;ch mit <em>&#220;ber Rechts</em>.</p><p>Sein Argument: Warum sollte man offen mit der AfD zusammenarbeiten, die Wahl eines Kandidaten dann &#246;ffentlich absagen und ihn dann heimlich doch w&#228;hlen? &#8222;Das w&#252;rde uns nichts bringen.&#8220;</p><p>Wenn Dittrichs Darstellung stimmt und SPD, Gr&#252;ne und Linke ihre angek&#252;ndigte Ablehnung eingehalten haben, m&#252;ssen die zus&#228;tzlichen Stimmen f&#252;r Tillschneider aus der CDU kommen. F&#252;nf geheime Stimmen f&#252;r den strammrechten AfD-Kandidaten. Ulrich Siegmund braucht Mitte Dezember nur drei.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Zerstört sich die CDU selbst? Mit Mariam Lau]]></title><description><![CDATA[W&#228;hrend die AfD immer st&#228;rker wird und die CDU weiter absackt, streitet die Union &#252;ber den richtigen Umgang mit der rechten Konkurrenz. Dabei zeichnen sich drei unterschiedliche Strategien ab.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/zerstort-sich-die-cdu-selbst-mariam-lau-cdu-afd-brandmauer-zerstoerung-der-cdu-friedrich-merz</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/zerstort-sich-die-cdu-selbst-mariam-lau-cdu-afd-brandmauer-zerstoerung-der-cdu-friedrich-merz</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 03 Oct 2026 06:01:41 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/218573071/10f00cc6487aed11041ffe74903feb7b.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die CDU steckt in einer der tiefsten Krisen ihrer Geschichte. Entsprechend umstrittener denn je ist die Antwort auf die Frage, wie die Union auf das Erstarken der AfD reagieren soll: st&#228;rker auf die politische Mitte setzen, das eigene konservative Profil sch&#228;rfen oder sogar die Abgrenzung nach rechts lockern?</p><p>Sebastian spricht mit der ZEIT-Journalistin und Merz-Biografin Mariam Lau &#252;ber die verschiedenen Strategien der Union und dar&#252;ber, warum der bisherige Kurs von Friedrich Merz die Partei nicht aus ihrer Krise gef&#252;hrt hat. Dabei geht es auch um eine grundlegendere Frage: Liegt das Problem &#252;berhaupt vor allem im Verh&#228;ltnis zur AfD oder steckt dahinter eine viel tiefere Krise des politischen und &#246;konomischen Modells, f&#252;r das die CDU lange stand?</p><p>Au&#223;erdem diskutieren die beiden &#252;ber die Brandmauer, &#252;ber Versuche, zwischen vermeintlich gem&#228;&#223;igten und radikalen Teilen der AfD zu unterscheiden, und &#252;ber die Frage, ob es innerhalb der Union &#252;berhaupt noch einen Kompromiss im Umgang mit der AfD geben kann.</p><p>Am Ende steht ein Szenario, das lange kaum vorstellbar schien: K&#246;nnte die Auseinandersetzung &#252;ber den richtigen Kurs gegen&#252;ber der AfD die CDU tats&#228;chlich zerrei&#223;en?</p><p>Dies ist eine von mindestens zwei Podcast-Folgen, die jeden Monat bei <em>&#220;ber Rechts</em> erscheinen. Eine Folge besch&#228;ftigt sich mit einem aktuellen Thema, in einer weiteren Bonusfolge lesen wir gemeinsam ein Buch und sprechen &#252;ber die Theorien der Rechten. Da wir Podcast und Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Ab 5 Euro im Monat erh&#228;ltst du Zugriff auf alle Folgen:</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Bluff, BSW oder CDU? Was steckt hinter Siegmunds Ankündigung]]></title><description><![CDATA[Der AfD fehlen in Sachsen-Anhalt drei Stimmen zur absoluten Mehrheit. Doch Ulrich Siegmund scheint sich sicher, gen&#252;gend Stimmen bereits im ersten Wahlgang zu erhalten. Drei Szenarien.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/wie-geht-es-weiter-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-afd-bsw-cdu</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/wie-geht-es-weiter-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-afd-bsw-cdu</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Wed, 30 Sep 2026 07:21:27 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/e5cbf6c7-fbe3-4031-926e-f4ce8be75c49_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die Landtagssitzung vom 15. bis 17. Dezember k&#246;nnte zu einem Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik werden. Es k&#246;nnte die Sitzung sein, in der erstmals ein Politiker einer rechtsradikalen Partei Ministerpr&#228;sident eines Bundeslandes wird. Und wom&#246;glich helfen dabei &#8211; nicht zum ersten Mal in der deutschen Geschichte &#8211; Stimmen von Konservativen.</p><p>Am Dienstagnachmittag <a href="https://x.com/UlrichSiegmund/status/2104954378222293262">verk&#252;ndet Ulrich Siegmund</a> seinen Zeitplan in einem Video. Er komme gerade aus einer Sitzung der AfD-Fraktion, die Tobias Rausch einstimmig als Kandidaten f&#252;r das Amt des Landtagspr&#228;sidenten nominiert habe. Er selbst werde in der regul&#228;ren Landtagssitzung im Dezember als Kandidat f&#252;r das Amt des Ministerpr&#228;sidenten antreten. Siegmund w&#246;rtlich:</p><p>&#8222;Viele Gespr&#228;che in den letzten Wochen haben ergeben, dass es m&#246;glich ist, auf der einen Seite eine stabile Mehrheit im ersten Wahlgang hier zu gew&#228;hrleisten. Das war ja f&#252;r mich eine Voraussetzung. Und es hat sich herausgestellt, dass es m&#246;glich ist, die entscheidenden Punkte hier der Alternative f&#252;r Deutschland, insbesondere nat&#252;rlich die Migrationswende &#252;ber f&#252;nf Jahre hinweg mit einer Stabilit&#228;t, die ich als notwendig erachtet habe, umzusetzen.&#8220;</p><p>Wie diese Mehrheit zustande kommen soll, sagt Siegmund nicht. Die Details w&#252;rden noch etwas dauern, man wolle die Regierung professionell vorbereiten. Ob tats&#228;chlich verbindliche Zusagen vorliegen, bleibt offen. Drei Erkl&#228;rungen f&#252;r die &#252;berraschende Ank&#252;ndigung sind denkbar.</p><h3>Blufft Siegmund?</h3><p>Zun&#228;chst sollte nicht die M&#246;glichkeit ausgeschlossen werden, dass die von ihm behauptete Mehrheit noch gar nicht steht. Vielleicht sind die Verhandlungen zwischen der AfD mit Abgeordneten, die eine Unterst&#252;tzung erw&#228;gen, ins Stocken geraten, vielleicht hadern doch noch einige, wollen sich nicht festlegen oder erstmal abwarten.</p><p>Die &#246;ffentliche Ank&#252;ndigung k&#246;nnte die Funktion haben, den Druck auf diese z&#246;gernde Abgeordnete zu erh&#246;hen. Sie w&#228;re dann weniger die Verk&#252;ndung einer gesicherten stabilen Mehrheit als vielmehr der Versuch, diese Mehrheit erst herzustellen. Gegen diese Deutung spricht, dass Siegmund den Dezember und den ersten Wahlgang ausdr&#252;cklich nennt und sich damit &#252;berpr&#252;fbar festlegt.</p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keine Beitr&#228;ge zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p>Sollte es sich nicht um einen taktischen &#246;ffentlichen Vorsto&#223; handeln, um auf unschl&#252;ssige Abgeordnete einzuwirken, blieben zwei M&#246;glichkeiten: Siegmund rechnet mit Stimmen des BSW oder von einzelnen CDU-Abgeordneten. Auch eine Kombination w&#228;re denkbar.</p><h3>Was macht das BSW?</h3><p>Mit dem BSW f&#252;hrt die AfD offiziell bereits Gespr&#228;che. Eine offizielle Koalition zeichnet sich jedoch nicht ab, wie das BSW in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder bekr&#228;ftigt hat. </p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/wie-geht-es-weiter-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-afd-bsw-cdu?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/p/wie-geht-es-weiter-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-afd-bsw-cdu?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p>F&#252;r Siegmunds Wahl zum Ministerpr&#228;sidenten w&#228;re eine Koalition allerdings auch nicht erforderlich. Ja-Stimmen einzelner BSW-Abgeordneter w&#252;rden gen&#252;gen, gegebenenfalls zusammen mit Stimmen aus der CDU. Das widerspr&#228;che der bisherigen Linie des BSW, das immer wieder bekr&#228;ftigt hat, zwar f&#252;r eine Zusammenarbeit bei einzelnen Vorhaben offen zu sein, Siegmund bei der Ministerpr&#228;sidentenwahl aber nicht zu w&#228;hlen, sondern sich zu enthalten.</p><p>Das BSW vertritt diese Linie seit vielen Monaten und hat sie am Dienstag unmittelbar nach Siegmunds Ank&#252;ndigung noch einmal best&#228;tigt. BSW-Fraktionschef Thomas Schulze sagte der <a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/machtpoker-um-sachsen-anhalt-bsw-legt-sich-vor-siegmunds-wahl-zum-ministerpraesidenten-fest-10443489">Berliner Zeitung</a> unmissverst&#228;ndlich: &#8222;Wir werden uns bei dieser Frage enthalten und werben weiterhin f&#252;r einen &#252;berparteilichen Ministerpr&#228;sidenten.&#8221;</p><h3><strong>W&#228;hlen einzelne CDU-Abgeordnete Siegmund?</strong></h3><p>Bleibt das BSW bei seiner Enthaltung, richtet sich der Blick auf einzelne CDU-Abgeordnete. Die AfD-Fraktion hat 39 Sitze, f&#252;r die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang braucht Siegmund 42 Stimmen. Mindestens drei m&#252;ssten also von au&#223;erhalb seiner Fraktion kommen. Erst in einem m&#246;glichen dritten Wahlgang w&#252;rde die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen gen&#252;gen. Siegmund spricht aber ausdr&#252;cklich von einer stabilen Mehrheit schon im ersten Wahlgang.</p><p>Eine weitere Andeutung passt zu diesem Szenario. Siegmund sagt, es brauche noch Zeit, eine Regierung aufzustellen und alle Positionen mit den Partnern zu kl&#228;ren, die sie sp&#228;ter tragen sollen. Wer diese Partner sind und was sie zugesagt haben, bleibt offen.</p><p>Zu diesem Szenario passt eine &#220;berlegung, die in den letzten Tagen vermehrt diskutiert wurde, allen voran vom <em>Stern</em>-Journalist <a href="https://x.com/Martin_Debes/status/2102067646602662266">Martin Debes auf X</a>: Einzelne CDU-Abgeordnete k&#246;nnten Siegmund zun&#228;chst im Vertrauen zusichern, ihn bei der geheimen Wahl zu unterst&#252;tzen. Das Kalk&#252;l w&#228;re, dass nach seiner Wahl eine Entwicklung einsetzt und es den Unterst&#252;tzern sp&#228;ter leichter f&#228;llt, sich offen zu erkennen zu geben. Debes dazu: &#8222;Ist erst einmal eine AfD-Regierung im Amt und tritt nach der ersten Aufregung eine Art Normalisierung ein, k&#246;nnte ein Wechsel der Abgeordneten erfolgen, schrittweise. Erst einmal als Fraktionslose, dann Aufnahme in die Fraktion, dann Parteieintritt.&#8220; Sp&#228;testens beim Haushalt m&#252;sste sich zeigen, ob Siegmund tats&#228;chlich &#252;ber eine tragf&#228;hige Mehrheit verf&#252;gt. Bislang ist das Spekulation.</p><p>In jedem Fall w&#228;re eine solche Entwicklung &#252;berraschend. <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landtagswahl/ueberlaeufer-cdu-afd-100,landtagswahl-akt-130.html">Auf Anfrage des MDR </a>schlossen vor zwei Wochen noch alle 15 CDU-Abgeordneten einen Wechsel zur AfD aus. Allerdings fragte der MDR nach einem &#8222;Wechsel zur AfD&#8220;. Ob die Abgeordneten auch eine Stimme f&#252;r Siegmund, einen Austritt aus der CDU-Fraktion oder die Bildung einer eigenen parlamentarischen Gruppe ausschlie&#223;en, wurde damit nicht ausdr&#252;cklich gekl&#228;rt. </p><p>Sp&#228;testens Mitte Dezember wird sich zeigen, ob Siegmund blufft, das BSW doch von seiner Linie abweicht &#8211; oder die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt doch zerbricht. </p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kampf der Generationen: Wie die AfD und ihr Vorfeld über die Landtagswahlen diskutieren]]></title><description><![CDATA[Trotz demonstrativer Einigkeit und &#246;ffentlichen Jubels brechen hinter den Kulissen alte Konflikte wieder auf &#8211; und eine neue Konfliktlinie wird sichtbar.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/kampf-der-generationen-afd-leif-erik-holm-internes-papier-geheimpapier-daniel-fiss-benedikt-kaiser</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/kampf-der-generationen-afd-leif-erik-holm-internes-papier-geheimpapier-daniel-fiss-benedikt-kaiser</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Fri, 25 Sep 2026 10:06:23 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/4403bc16-7547-45f4-9f3a-42919bdbb697_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die Stimmung k&#246;nnte bei der AfD kaum besser sein. In Sachsen-Anhalt erzielte sie das bundesweit beste Wahlergebnis ihrer Geschichte, in Mecklenburg-Vorpommern kam das zweitbeste Ergebnis hinzu. Und auch bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin erzielte die AfD ein Rekordergebnis.</p><p>Entsprechend selbstbewusst pr&#228;sentierte sich die Parteispitze nach den Wahlen. Alles laufe bestens, erkl&#228;rte Alice Weidel: &#8222;Wir werden Kurs halten.&#8220; Auch Tino Chrupalla sah keinerlei Korrekturbedarf. Kompromissf&#228;higer m&#252;sse man gegen&#252;ber der Union nicht werden. Die anderen m&#252;ssten sich vielmehr auf die AfD zubewegen. Doch hinter der demonstrativen guten Laune und Geschlossenheit hat die Aufarbeitung begonnen.</p><h3>Entt&#228;uschung &#252;ber das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern</h3><p>Die Wahlk&#228;mpfe, die Umfragewerte und besonders das Ergebnis in Sachsen-Anhalt haben die durchaus vorhandenen Risse in Partei und Vorfeld vor&#252;bergehend &#252;berdeckt. Selbst die Konflikte im nordrhein-westf&#228;lischen Landesverband, <a href="https://www.ueberrechts.de/p/eskalation-in-nrw-worum-geht-es-beim">wo man sich inzwischen mit offenem Visier bek&#228;mpft</a>, gerieten in den Hintergrund. Doch nun sind die Wahlen gelaufen, die n&#228;chsten stehen erst im Fr&#252;hjahr 2027 an. Damit werden auch die Konfliktlinien wieder sichtbarer.</p><div><hr></div><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keine Beitr&#228;ge zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><div><hr></div><p>In Mecklenburg-Vorpommern wurde bereits in den Tagen vor der Landtagswahl dar&#252;ber diskutiert, weshalb die AfD dort deutlich hinter Sachsen-Anhalt zur&#252;ckblieb. Noch euphorisiert von dem selbst in AfD-Kreisen &#252;berraschend hohen Wahlergebnis von 43,8 Prozent blickten manche argw&#246;hnisch nach Nordosten. Dort lag die Partei zwar stabil bei rund 35 Prozent. F&#252;r eine AfD, die die absolute Mehrheit zum Ziel erkl&#228;rt hatte, war das aber nicht mehr genug. Zumal sie seit Monaten auf diesem Niveau verharrte und damit genau dort stand, wo sie bereits bei der Bundestagswahl 2025 gewesen war.</p><div><hr></div><h3>Benedikt Kaiser attackiert Leif-Erik Holm frontal</h3><p>Bereits zwei Tage vor der Wahl griff Benedikt Kaiser den Ministerpr&#228;sidentenkandidaten Leif-Erik Holm auf X frontal an. Holm habe das Momentum der AfD gestoppt, wie Friedrich Merz es nie vermocht h&#228;tte. Kaiser geh&#246;rt zu den einflussreichsten Publizisten im Vorfeld der Partei, ist kein Parteimitglied, arbeitet im Bundestag aber f&#252;r Robert Teske, einen Vertrauten Bj&#246;rn H&#246;ckes. &#220;ber die Landtagswahlen hatte Kaiser zuvor auch eine Kolumne in der rechten &#246;sterreichischen Monatszeitschrift Der Eckart geschrieben: Ulrich Siegmund habe &#8222;neue Trends gesetzt und die Messlatte k&#252;nftiger Wahlk&#228;mpfe erheblich nach oben verschoben&#8220;.</p><p>Das Modell Siegmund kommt jemandem wie Kaiser entgegen, dessen ideologische Herkunft irgendwo zwischen Eurofaschismus, Strasserismus und nationalrevolution&#228;rem Denken liegt. Kaiser gefallen an Siegmund der volksnahe, den Massen zugewandte Auftritt, sein Optimismus und das Versprechen einer Zukunftsvision. Aber das allein w&#252;rde jemandem wie Kaiser nicht reichen. Das Image des dauergrinsenden Kumpels verbindet Siegmund mit einer weitgehend kompromisslosen rechten Agenda.</p><p>Das Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt war das bislang radikalste eines Landesverbandes. Im unmittelbaren Umfeld Siegmunds finden sich mehrere Akteure, die auf eine Vergangenheit in der neonazistischen und inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend zur&#252;ckblicken.</p><div><hr></div><div class="digest-post-embed" data-attrs="{&quot;nodeId&quot;:&quot;ba6116fe-7a3c-4ea3-a08d-0ea50fe85c94&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Es ist eine Frage, mit der Ulrich Siegmund gerade immer wieder konfrontiert wird: Was sagt der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt dazu, dass wichtige Mitarbeiter der AfD in Sachsen-Anhalt Teil einer Neonazi-Organisation waren? Es geht um die Heimattreue Deutsche Jugend&quot;,&quot;cta&quot;:null,&quot;showBylines&quot;:true,&quot;showDescription&quot;:true,&quot;showImage&quot;:true,&quot;size&quot;:&quot;sm&quot;,&quot;isEditorNode&quot;:true,&quot;title&quot;:&quot;Die Heimattreue Deutsche Jugend: Woher die Kader kommen, die heute die AfD Sachsen-Anhalt pr&#228;gen&quot;,&quot;publishedBylines&quot;:[{&quot;id&quot;:111371079,&quot;name&quot;:&quot;Sebastian Friedrich&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Freier Journalist und Autor (u.a. NDR, Panorama, Der Freitag) Podcast + Newsletter &#8222;&#220;ber Rechts&#8220;&quot;,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!XfPS!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffed732ec-af3d-4bdd-8130-e358d6d187d6_400x400.jpeg&quot;,&quot;is_guest&quot;:false,&quot;bestseller_tier&quot;:100}],&quot;post_date&quot;:&quot;2026-09-03T10:28:49.970Z&quot;,&quot;cover_image&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/1404802a-df41-4fcb-85aa-b50532ece89a_3600x1890.png&quot;,&quot;cover_image_alt&quot;:null,&quot;canonical_url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/heimattreue-deutsche-jugend-hdj-afd-sachsen-anhalt&quot;,&quot;section_name&quot;:null,&quot;video_upload_id&quot;:null,&quot;id&quot;:213986597,&quot;type&quot;:&quot;newsletter&quot;,&quot;reaction_count&quot;:22,&quot;comment_count&quot;:1,&quot;publication_id&quot;:4369993,&quot;publication_name&quot;:&quot;&#220;ber Rechts&quot;,&quot;publication_logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mEqs!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F8364cf34-6b02-45d4-a5fc-39e0594aa1fc_1000x1000.png&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;youtube_url&quot;:null,&quot;show_links&quot;:null,&quot;feed_url&quot;:null}"></div><div><hr></div><p>Im radikalen Vorfeld kam besonders gut an, dass sich Siegmund trotz der Kritik an Personen aus seinem Umfeld mit neonazistischer Vergangenheit nicht distanzierte, sondern vorbehaltlos hinter seine Leute stellte. Auch seine Ank&#252;ndigung, m&#246;glichst wenige Kompromisse einzugehen, wurde goutiert.</p><h3>Kritik an Holms Bezug auf den Verfassungsschutz</h3><p>Dem Modell Siegmund stellte Kaiser Holm als Auslaufmodell gegen&#252;ber. Der Ministerpr&#228;sidentenkandidat habe es nicht verstanden, auch nur ann&#228;hernd eine &#228;hnliche Dynamik und Euphorie zu erzeugen wie Siegmund. Holm habe schlecht performt, schrieb Kaiser. Wer den &#8222;authentischen Offensivmodus&#8220; nicht kenne, &#8222;wird die 40-Prozent-Marke nicht &#252;berschreiten, sondern macht nur obligatorischen Dienst nach Vorschrift&#8220;.</p><p>Auch Kaisers Chef, der Th&#252;ringer Bundestagsabgeordnete Robert Teske, kritisierte Holm. In einem gemeinsamen Podcast monierte er, Holm habe im Wahlkampf zugunsten seines Landesverbandes angef&#252;hrt, dass die AfD in Mecklenburg-Vorpommern nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werde. Damit weiche er von der allgemeinen Linie der ostdeutschen AfD ab. Was der Verfassungsschutz einsch&#228;tze oder wie er die Partei einstufe, habe die AfD nicht zu interessieren, so Teske. Eine offizielle Nichteinstufung als Auszeichnung zu verkaufen, h&#228;lt er deshalb f&#252;r falsch.</p><p>Auch im Landesverband selbst gibt es kritische Stimmen. Bereits am Wahlabend sagte Thore Stein, parlamentarischer Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der AfD-Landtagsfraktion, <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101444704/wahl-mecklenburg-vorpommern-afd-triumphiert-doch-der-frust-ist-gross.html">gegen&#252;ber t-online.de</a>, man k&#246;nne mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein &#8211; wohlgemerkt mit 38,2 Prozent.</p><h3>Das brisante interne Papier des Wahlkampfmanagers</h3><p>Noch deutlicher wird ein brisantes internes Papier aus Mecklenburg-Vorpommern selbst.. Es stammt von Daniel Fi&#223;, der den Wahlkampf der AfD leitete und f&#252;r die Landtagsfraktion in Schwerin arbeitet. Auf 25 Seiten kritisiert Fi&#223; ungew&#246;hnlich scharf vor allem Leif-Erik Holm. Der Ministerpr&#228;sidentenkandidat habe sich aus den zentralen Planungsgremien zur&#252;ckgezogen und mit eigenen Vertrauten eine Parallelkampagne aufgebaut. Holms Medienarbeit habe &#8222;vor allem spontan, planlos und strategielos&#8220; gewirkt, hei&#223;t es in dem internen Papier, das <em>&#220;ber Rechts </em>vorliegt.</p><p>Es geht um mehr als das komplizierte Doppelmodell der AfD in Mecklenburg-Vorpommern: Auch die Konstruktion der Spitzenkandidatur h&#228;lt Fi&#223; f&#252;r einen schweren Fehler. Eigentlich hatte der Landesvorstand den Co-Landesvorsitzenden Enrico Schult zum Spitzenkandidaten erkl&#228;rt. Holm akzeptierte diese Entscheidung jedoch nicht. Am Ende stand ein kompliziertes Doppelmodell: Schult trat als Listenf&#252;hrer und Spitzenkandidat an; Holm als Ministerpr&#228;sidentenkandidat ohne Listenplatz. In nahezu jedem Interview musste Holm diese Konstruktion erkl&#228;ren und sich den Vorwurf gefallen lassen, es als Bundestagsabgeordneter mit Mecklenburg-Vorpommern gar nicht so ernst zu meinen. &#8222;Kommunikativ und organisatorisch war diese Entscheidung ein absolutes Desaster&#8220;, schreibt Fi&#223;.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/kampf-der-generationen-afd-leif-erik-holm-internes-papier-geheimpapier-daniel-fiss-benedikt-kaiser?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/p/kampf-der-generationen-afd-leif-erik-holm-internes-papier-geheimpapier-daniel-fiss-benedikt-kaiser?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p>Das Papier, das auf Aufzeichnungen aus dem Wahlkampf beruht, arbeitet sich vor allem an organisatorischen M&#228;ngeln ab: an der visuellen Darstellung, unklaren Zust&#228;ndigkeiten, &#252;berlasteten Mitarbeitern und einer fehlenden Abstimmung zwischen Kandidat und Kampagnenleitung. Zun&#228;chst geht es also eher um die Professionalisierung von Partei und Kommunikation als um die strategische Ausrichtung der AfD oder ihr Verh&#228;ltnis zur Union.</p><p>Aber nicht nur. Fi&#223;, der fr&#252;her f&#252;r die Jugendorganisation der NPD aktiv war und sp&#228;ter zu den f&#252;hrenden Kadern der Identit&#228;ren Bewegung geh&#246;rte, stellt sich auch gegen Holms Behauptung, die AfD sei im Grunde &#8222;die CDU vor 30 Jahren&#8220;. Eine Partei, die im Osten 35 oder 40 Prozent erreichen wolle, k&#246;nne nicht auftreten, als sei sie lediglich &#8222;die nostalgische Imitation einer alten Volkspartei&#8220;.</p><h3>Ein neuer Generationenkonflikt</h3><p>Damit f&#252;hrt das interne Papier mitten in einen Konflikt, der die AfD pr&#228;gt. Am Verh&#228;ltnis zur CDU wird verhandelt, wie es die AfD mit dem Regieren h&#228;lt. Dabei geht es weniger darum, ob sie &#252;berhaupt regieren m&#246;chte. Das w&#252;rde in der Partei wohl niemand verneinen. Fraglich ist, wann es so weit sein soll und unter welchen Voraussetzungen. Die einen f&#252;hlen sich bereit, die anderen wollen lieber noch warten.</p><p>An dieser Stelle deutet sich eine bislang wenig beachtete Konfliktlinie an &#8211; zwischen der Gr&#252;ndergeneration der AfD und j&#252;ngeren, aufstrebenden Kadern, die innerhalb der bereits etablierten Partei politisch sozialisiert wurden.</p><p>Holm ist 56 Jahre alt. Ihm stehen Strategen und Funktion&#228;re wie der 33-j&#228;hrige Daniel Fi&#223;, der 34-j&#228;hrige Alexander Tschich oder der 35-j&#228;hrige Ulrich Siegmund gegen&#252;ber. Diese j&#252;ngere Kadergeneration steht f&#252;r eine professionellere Ansprache, einen moderateren und verbindlicheren Ton, zugleich aber f&#252;r einen ideologisch h&#228;rteren Kurs und die Ablehnung demonstrativer Distanzierungen nach rechts.</p><h3>Die Jungen haben Zeit</h3><p>Die jungen radikalen Professionalisierer haben h&#228;ufig einen &#228;hnlichen Habitus, bewegen sich in &#228;hnlichen Netzwerken der Jungen Alternative, der Burschenschaften und des neurechten Vorfelds, teilen &#228;hnliche Erfahrungen der Politisierung &#8211; und sie haben Geduld. F&#252;r die Gr&#252;ndergeneration ist der Zeithorizont ein anderer.</p><p>F&#252;r jemanden wie Holm, der die Partei mit aufgebaut hat, ist das Zeitfenster, selbst noch an einem Kabinettstisch Platz zu nehmen, begrenzt. Wer erst Mitte 30 ist, kann warten, dass die AfD weiter w&#228;chst oder die Brandmauer f&#228;llt.</p><p>So zeigen sich in den aktuellen Diskussionen in AfD und Vorfeld zwei Konfliktlinien, die sich &#252;berlagern: ein Strategiekonflikt und ein Generationenkonflikt. Solange die Union jede Zusammenarbeit ausschlie&#223;t, bleibt die Auseinandersetzung innerhalb der AfD weitgehend kaltgestellt. Sollte die Brandmauer irgendwann fallen, geriete die Partei unmittelbar unter Entscheidungsdruck. Dann w&#252;rden sich die Risse vermutlich vertiefen: Gibt man sich mit begrenzter Macht und Kompromissen zufrieden oder  will man warten, bis man die Macht vielleicht irgendwann nicht mehr teilen muss. Die j&#252;ngeren Kader haben Zeit.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Berlin-Wahl zeigt: Man muss richtig polarisieren, um die AfD zu schlagen]]></title><description><![CDATA[Drei Landtagswahlen zeigen: Politische Unzufriedenheit ist kein festes Reservoir der AfD. Entscheidend ist, welche Konflikte einen Wahlkampf bestimmen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/berlin-wahl-die-linke-polarisierung-elif-eralp-afd</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/berlin-wahl-die-linke-polarisierung-elif-eralp-afd</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Tue, 22 Sep 2026 05:17:06 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/2d75c406-a936-432f-9a0f-2e3ba96a9e52_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Die AfD hat in den vergangenen Jahren etwas geschafft, was den etablierten Parteien zuvor nur selten gelang: Sie brachte Menschen an die Wahlurne, die sich von der parlamentarischen Demokratie abgewandt oder nie einen Zugang zu ihr gefunden hatten.</span></p><p><span>Das zeigte sich besonders deutlich in Sachsen-Anhalt, wo die Wahlbeteiligung von 60,3 auf 77,8 Prozent sprang. Mit gro&#223;em Abstand vor allen anderen Parteien mobilisierte die AfD ehemalige Nichtw&#228;hler.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!bHnl!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Feaf1e6ea-444d-472f-b5b2-0e45c8a336c5_960x960.webp" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!bHnl!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Feaf1e6ea-444d-472f-b5b2-0e45c8a336c5_960x960.webp 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!bHnl!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Feaf1e6ea-444d-472f-b5b2-0e45c8a336c5_960x960.webp 848w, 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" 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Gut jede dritte AfD-Stimme kam also aus diesem Reservoir.</span></p><p><span>Nicht in diesem Ausma&#223;, aber mit &#228;hnlicher Tendenz gelang der AfD das auch in Mecklenburg-Vorpommern. Dort stieg die Wahlbeteiligung von 70,8 auf 78,1 Prozent. Dabei ist zu ber&#252;cksichtigen, dass die vorherige Landtagswahl 2021 gleichzeitig mit der Bundestagswahl stattfand. 2016 wiederum hatten nur 61,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Auch diesmal mobilisierte vor allem die AfD fr&#252;here Nichtw&#228;hler: netto z&#228;hlte die Partei 66.000 zus&#228;tzliche Stimmen.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!I_by!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0c8695aa-8522-4b1f-9078-46a633deeb3e_960x960.webp" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!I_by!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0c8695aa-8522-4b1f-9078-46a633deeb3e_960x960.webp 424w, 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pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" 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Auch dort gingen am vergangenen Sonntag deutlich mehr Menschen w&#228;hlen als zuvor. Die Beteiligung stieg von 62,9 Prozent bei der Wiederholungswahl 2023 auf 74,2 Prozent. 2021 waren es 75,4 Prozent, aber da fanden am gleichen Tag auch die Bundestagswahlen statt. Bei der jetzigen Wahl in Berlin war es nicht die AfD, die am st&#228;rksten aus dem Nichtw&#228;hlerlager gewann.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eUjY!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe704ed2e-64b2-40a3-b4c9-3e08789eb6d3_960x960.webp" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eUjY!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe704ed2e-64b2-40a3-b4c9-3e08789eb6d3_960x960.webp 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eUjY!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe704ed2e-64b2-40a3-b4c9-3e08789eb6d3_960x960.webp 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pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><span>Die AfD gewann laut Infratest Dimap netto 61.000 Stimmen von vorherigen Nichtw&#228;hlern. Eine andere Partei lag noch dar&#252;ber: Die Linke gewann 75.000 Stimmen von Menschen, die 2023 nicht gew&#228;hlt hatten.</span></p><p><span>Man k&#246;nnte das als Berliner Besonderheit abtun und zu den Akten legen. Bei genauerem Hinsehen verweist sie aber auf eine Frage, die weit &#252;ber die Hauptstadt hinausgeht: Wann &#252;bersetzt sich politische Unzufriedenheit nach rechts &#8211; und wann nach links?</span></p><h3><strong><span>Die Nichtw&#228;hler gibt es nicht</span></strong></h3><p><span>Jede Analyse des Nichtw&#228;hlerlagers muss zun&#228;chst ber&#252;cksichtigen, dass es dieses Lager eigentlich nicht gibt. Noch weniger als Arbeiter, Rentner oder Erstw&#228;hler bilden Nichtw&#228;hler eine einheitliche soziale oder politische Gruppe. Unter ihnen finden sich dauerhaft politisch Distanzierte, Gelegenheitsw&#228;hler und entt&#228;uschte ehemalige Stammw&#228;hler, politisch Desinteressierte, j&#252;ngere Menschen und &#252;berproportional viele Menschen aus sozial schlechter gestellten Gruppen. Das Einzige, was Nichtw&#228;hler zun&#228;chst einmal verbindet, ist, dass keine Partei sie am Wahlsonntag ausreichend mobilisieren konnte.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keine Beitr&#228;ge zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Entsprechend unterscheidet sich das Nichtw&#228;hlermilieu von Region zu Region. Bei den drei zur&#252;ckliegenden Landtagswahlen ist das offensichtlich: Berlin ist j&#252;nger, urbaner und sozial anders zusammengesetzt als Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern. Das d&#252;rfte auch f&#252;r diejenigen gelten, die bei der vorherigen Wahl zu Hause geblieben waren.</span></p><p><span>Doch soziale Lage, Alter oder Geschlecht f&#252;hren bekanntlich nicht automatisch dazu, das Kreuz an einer bestimmten Stelle auf dem Wahlschein zu machen. Politisches Bewusstsein entsteht aus einem Zusammenspiel von Erfahrungen und Deutungen. Menschen machen etwa die Erfahrung steigender Mieten. Politisch wird diese Erfahrung aber erst dadurch, wie sie gedeutet wird. Parteien und Bewegungen bieten solche Deutungen an: Sie erkl&#228;ren, welche Probleme besonders wichtig sind, worin deren Ursachen liegen, wer daf&#252;r verantwortlich ist &#8211; und was dagegen getan werden soll. Die einen f&#252;hren steigende Mieten etwa auf Zuwanderung zur&#252;ck und fordern Abschiebungen. Andere erkl&#228;ren, jeder m&#252;sse eben mehr arbeiten oder verdienen. Wieder andere nehmen Vermieter und Immobilienkonzerne in den Blick &#8211; oder gleich das gesamte Wirtschaftssystem.</span></p><p><span>Die entscheidende Frage lautet immer, wie politische Unzufriedenheit aufgegriffen, gedeutet und kanalisiert wird.</span></p><h3><strong><span>Die Konfliktachse der AfD</span></strong></h3><p><span>Der AfD ist es in den vergangenen Jahren gelungen, unterschiedliche Formen der Unzufriedenheit zu b&#252;ndeln: Frust &#252;ber die Bundesregierung, wirtschaftliche Sorgen, Misstrauen gegen&#252;ber Medien und Institutionen, Ablehnung von Migration oder die Angst vor Krieg.</span></p><p><span>Diese Gef&#252;hle m&#252;nden nicht zwangsl&#228;ufig in ein rechtes Weltbild. Theoretisch w&#228;ren wirtschaftliche Sorgen, Unzufriedenheit mit Politikern und Medien, Angst vor Krieg grunds&#228;tzlich auch von links politisierbar.</span></p><p><span>Der AfD gelingt es aber, diese Unzufriedenheiten als Konflikte um Zugeh&#246;rigkeit zu deuten. Bei Verteilungsfragen geht es dann weniger darum, wer mehr bekommen sollte, sondern darum, welche Gruppe vermeintlich zu viel bekommt; aus Wohnungsnot oder knappen Sozialleistungen wird eine Konkurrenz zwischen Einheimischen und Eingewanderten. Die AfD greift soziale Fragen auf, behandelt sie aber in erster Linie als nationale Fragen.</span></p><h3><strong><span>Die AfD als Konfliktachse</span></strong></h3><p><span>Indem die AfD die unterschiedlichen Formen des Unmuts geb&#252;ndelt hat, konnte sie sich seit 2022 zu einer Art Staubsauger der Unzufriedenheit entwickeln. Dadurch, dass sie unterschiedliche Konflikte aufsaugt, wird ihre Existenz aber irgendwann selbst zum zentralen Konflikt.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/berlin-wahl-die-linke-polarisierung-elif-eralp-afd?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/p/berlin-wahl-die-linke-polarisierung-elif-eralp-afd?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p><span>Besonders deutlich wurde auch das im Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt. &#220;ber Wochen ging es immer wieder um die AfD selbst: Kommt sie an die Macht? Kann sie die absolute Mehrheit erreichen? Wie l&#228;sst sich das verhindern? Wie k&#246;nnen Institutionen der liberalen Demokratie vor einer AfD-Regierung gesch&#252;tzt werden?</span></p><p><span>Nach der Wahl zeigt sich entsprechend eine starke Polarisierung: AfD-W&#228;hler w&#252;nschen sich fast geschlossen eine AfD-gef&#252;hrte Regierung, w&#228;hrend sich die Anh&#228;nger von CDU, SPD, Gr&#252;nen und Linken mit gro&#223;er Mehrheit f&#252;r eine CDU-gef&#252;hrte Regierung aussprechen.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!GGwV!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F273183d3-d70a-4570-be2f-e6d8f9091725_768x432.webp" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" 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In etwas anderer Form zeigte sich das auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich der Wahlkampf immer st&#228;rker auf das Duell zwischen Manuela Schwesig und der AfD zuspitzte.</span></p><p><span>Wie schon bei fr&#252;heren Wahlen war die AfD damit nicht nur eine Partei unter mehreren. Sie war selbst zum zentralen Gegenstand der politischen Auseinandersetzung geworden. Mit dem Soziologen Nils Kumkar l&#228;sst sich das als eine Form generalisierter Polarisierung beschreiben. Rechtspopulisten versuchen demnach, den Gegenpol zum &#8222;System&#8220; und praktisch allen anderen politischen Akteuren zu besetzen. Unterschiedliche Sachkonflikte werden dadurch einem &#252;bergeordneten Gegensatz untergeordnet: hier die AfD, dort die anderen.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;&#220;ber Rechts teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>&#220;ber Rechts teilen</span></a></p><p><span>In Mecklenburg-Vorpommern erkannte Manuela Schwesig mit der SPD, wie dominant diese Konfliktachse war, und positionierte sich folgerichtig ebenso einfach wie wirksam als &#8222;die Frau gegen Blau&#8220;. Die Linke kam dagegen mit eigenen Themen kaum an, geschweige denn mit einer eigenen Polarisierung.</span></p><p><span>In Sachsen-Anhalt waren die Voraussetzungen f&#252;r eine alternative Polarisierung jenseits von &#8222;AfD gegen den Rest&#8220; noch schlechter. Hier ordneten sich fast alle Sachthemen der Frage unter, wie man es mit der AfD h&#228;lt. Statt offensiv und selbstbewusst eigene Konflikte zu setzen, reihte sich die Linke &#8211; gewollt oder ungewollt &#8211; neben SPD, Gr&#252;nen und CDU ein und bot sich an, gemeinsam mit den anderen Parteien eine Regierung gegen die AfD zu bilden.</span></p><h3><strong><span>Berliner Polarisierung</span></strong></h3><p><span>In Berlin gab es deutlich bessere Voraussetzungen f&#252;r ein glaubw&#252;rdig linkes Programm, das sich von den anderen Parteien abhebt. Die AfD spielte eine wesentlich kleinere Rolle f&#252;r die Struktur des Wahlkampfs. Die Wahl zeigt, dass politische Polarisierung auch entlang konkreter sozialer Konflikte verlaufen kann: um Mieten, Eigentum und Verteilung.</span></p><p><span>Zwar legte die AfD deutlich zu und kam nach vorl&#228;ufigem Ergebnis auf 16,3 Prozent. Doch es gelang ihr nicht, den Wahlkampf in &#228;hnlicher Weise auf sich selbst auszurichten wie in Sachsen-Anhalt. Andere Themen standen st&#228;rker im Vordergrund.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp" width="1280" height="720" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:720,&quot;width&quot;:1280,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:22042,&quot;alt&quot;:null,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/webp&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;topImage&quot;:false,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/i/216818102?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!lltC!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9b53445b-73fe-46e0-a7bf-e2caa83303a3_1280x720.webp 1456w" sizes="100vw" loading="lazy"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><span>Soziale Sicherheit und Wohnen sind f&#252;r sich genommen noch keine politische Position. Es sind aber Themen, bei denen linken Parteien traditionell eher Kompetenz zugeschrieben wird als etwa bei Wirtschaft oder Zuwanderung.</span></p><p><span>Die Linke setzte im Wahlkampf stark auf Mieten und Wohnen und verband das Thema mit einer besonders weitgehenden Forderung: der Vergesellschaftung gro&#223;er privater Wohnungskonzerne. Mehr noch: Linken-Chefin Ines Schwerdtner erkl&#228;rte deren Umsetzung zur Bedingung f&#252;r eine m&#246;gliche Regierungsbeteiligung. Die Emp&#246;rung beim politischen Gegner wie auch in der Immobilienbranche war gro&#223;. Bei der Bev&#246;lkerung schien die Polarisierungsstrategie der Linken zu greifen. Dass das Thema f&#252;r ihren Wahlkampf zentral war, zeigt auch die Wahlanalyse von Infratest Dimap.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!kryb!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F1530e122-fa97-4235-b130-5d8f895b9518_1280x720.webp" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!kryb!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F1530e122-fa97-4235-b130-5d8f895b9518_1280x720.webp 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!kryb!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F1530e122-fa97-4235-b130-5d8f895b9518_1280x720.webp 848w, 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><span>Die Linke gewann also auch, indem sie einen Konflikt um Eigentum und Verteilung sichtbar machte. Bemerkenswert daran ist: Daf&#252;r musste sie mit ihrer konkreten Position nicht einmal eine gesellschaftliche Mehrheit hinter sich haben.</span></p><p><span>Nach der Wahl sprachen sich n&#228;mlich 51 Prozent der Befragten gegen eine Vergesellschaftung gro&#223;er privater Wohnungsunternehmen aus, nur 37 Prozent daf&#252;r. Beim Volksentscheid 2021 hatten noch 57,6 Prozent f&#252;r die Vergesellschaftung gestimmt. Beide Werte lassen sich aus verschiedenen Gr&#252;nden nicht eins zu eins miteinander vergleichen. Trotzdem zeigt sich: Eine stark umstrittene Position muss einer Partei nicht schaden, solange es ihr gelingt, damit einen politischen Konflikt sichtbar zu machen.</span></p><h3><strong><span>Oben gegen unten oder innen gegen au&#223;en?</span></strong></h3><p><span>Genau das ist in Berlin zumindest teilweise passiert. Der Polarisierung &#8222;AfD gegen den Rest&#8220; beziehungsweise &#8222;Demokratiefeinde&#8220; gegen &#8222;demokratische Parteien&#8220; trat eine andere Konfliktachse gegen&#252;ber: Mieter gegen gro&#223;e Wohnungskonzerne, Verteilung von oben nach unten statt Zugeh&#246;rigkeit von innen gegen au&#223;en.</span></p><p><span>Damit wurde mit einem Schlag jene Verschiebung der sozialen Frage unterlaufen, die die AfD in den vergangenen Jahren erfolgreich betrieben hat: weg von oben gegen unten, hin zu innen gegen au&#223;en.</span></p><p><span>&#220;ber die Verschiebung nach innen gegen au&#223;en konnte die AfD insbesondere Arbeiterinnen und Arbeiter ansprechen und ging bei vielen Wahlen als st&#228;rkste Kraft in dieser Gruppe hervor. In Sachsen-Anhalt erreichte sie laut Infratest dimap 59 Prozent unter Arbeitern, in Mecklenburg-Vorpommern 53 Prozent.</span></p><p><span>Berlin widerspricht diesem Muster nicht grunds&#228;tzlich. Trotzdem zeigt sich dort etwas Interessantes.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 1456w" sizes="100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp" width="1280" height="720" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:720,&quot;width&quot;:1280,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:17326,&quot;alt&quot;:null,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/webp&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;topImage&quot;:false,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/i/216818102?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ug7T!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5f66411d-398d-4632-a0e8-39fbf0619589_1280x720.webp 1456w" sizes="100vw" loading="lazy"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><span>Auch hier wurde die AfD unter jenen, die sich selbst als Arbeiter einordnen, st&#228;rkste Partei. Doch der Abstand zur Linken war gering. Die Linke erreichte unter Arbeitern 26 Prozent und konnte in dieser Gruppe gegen&#252;ber 2023 sogar st&#228;rker zulegen als die AfD.</span></p><p><span>Man sollte die Berliner Wahl nicht &#252;berinterpretieren. Berlin ist Berlin und nicht der Bund, schon gar nicht Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern. Die Sozialstruktur ist dort eine andere, die Parteienlandschaft ebenfalls. Und abgesehen von einzelnen interessanten Ausnahmen wie in Halle oder Magdeburg fiel es der Linken in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erkennbar schwer, eigene Akzente zu setzen oder, besser noch, zu polarisieren.</span></p><p><span>Die Wahl in Berlin zeigt aber, dass Unzufriedenheit nicht zwangsl&#228;ufig nach rechts &#252;bersetzt werden muss. Auch Polarisierung hilft nicht automatisch der AfD. Unzufriedenheit muss politisch gedeutet, gerahmt und organisiert werden. Ohne eigene Konfliktlinien wird das kaum gelingen.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wie die AfD die Schule verändern will]]></title><description><![CDATA[Ein Blick in Wahlprogramme zeigt: W&#228;hrend die AfD &#252;ber politische Einflussnahme an Schulen klagt, plant sie selbst eine Neuausrichtung der Inhalte im Unterricht.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/afd-schule-bildungspolitik-wahlprogramme-bob-blume</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/afd-schule-bildungspolitik-wahlprogramme-bob-blume</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Thu, 17 Sep 2026 05:30:47 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/1a8e287a-7c61-4b8e-bd51-63bdb2af6edb_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Es ist eines der wichtigsten Themen in den Landtagswahlk&#228;mpfen dieses Septembers: Bildung. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern bewegt es die Menschen besonders stark: In der </span><a href="https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/landtagswahl/mv-trend-zur-landtagswahl-spd-verkuerzt-rueckstand-auf-afd-cdu-rutscht-ab,mvtrend-114.html"><span>j&#252;ngsten Umfrage von Infratest Dimap</span></a><span> landete das Themenfeld Bildung, Schule und Ausbildung auf Platz eins der wichtigsten Probleme im Bundesland. Auch beim </span><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/mecklenburg-vorpommern-hat-die-wahl-das-duell,mv-hat-die-wahl-146.html"><span>TV-Duell des NDR</span></a><span> zwischen SPD-Ministerpr&#228;sidentin Manuela Schwesig und ihrem AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm nahm das Thema viel Raum ein.</span></p><h3><strong><span>Der Kampf ums Klassenzimmer</span></strong></h3><p><span>So viel Aufmerksamkeit f&#252;r Bildung ist in Wahlk&#228;mpfen eher ungew&#246;hnlich. Dabei ist das Thema gerade f&#252;r rechte Politik von zentraler Bedeutung: Der grundlegende nationalistische Wandel, den sich Strategen in AfD und Vorfeld erhoffen, soll kulturell und gesellschaftlich vorbereitet  werden. Bildung ist daf&#252;r ein entscheidendes Instrument, denn durch sie k&#246;nnen Weltbilder weitergegeben, ein eigenes politisches Milieu reproduziert und jene geistige Elite ausgebildet werden, der in der neurechten Gedankenwelt eine Schl&#252;sselrolle zukommt.</span></p><div><hr></div><p><strong><span>Bob Blume hat den Newsletter </span><a href="https://netzlehrer.substack.com/"><span>&#8222;Stimme f&#252;r Bildungswandel&#8221;</span></a><span>gegr&#252;ndet. Das Ziel: Ideen und Fragen sichtbar machen, die in der Bildungsdebatte oft zu kurz kommen &#8211; f&#252;r alle, die nicht nur wissen wollen, wie Schule gerade ist, sondern wie sie anders werden kann. Bob schreibt dar&#252;ber, welche Rolle Technologie und KI dabei spielen, was Netzwerke und Digitalisierung mit den Generationen machen &#8211; und was das f&#252;r unsere Demokratie bedeutet. </span><a href="https://netzlehrer.substack.com/"><span>Hier</span></a><span> gehts zum Newsletter.</span></strong></p><div class="embedded-publication-wrap" data-attrs="{&quot;id&quot;:10485616,&quot;embedding_publication_id&quot;:4369993,&quot;name&quot;:&quot;Stimme f&#252;r Bildungswandel&quot;,&quot;logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!KXFo!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd2e2eaea-5ec7-4219-b35f-314ec475fff5_1023x1023.png&quot;,&quot;base_url&quot;:&quot;https://netzlehrer.substack.com&quot;,&quot;hero_text&quot;:&quot;Ideen f&#252;r und Reflexionen zu einer Bildung, die in Zeiten von KI, Krise und sozialer Ungerechtigkeit relevant und wirksam f&#252;r die demokratische Gesellschaft bleibt. &quot;,&quot;author_name&quot;:&quot;Bob Blume&quot;,&quot;show_subscribe&quot;:true,&quot;logo_bg_color&quot;:&quot;#FFFFFF&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="EmbeddedPublicationToDOMWithSubscribe"><div class="embedded-publication show-subscribe"><a class="embedded-publication-link-part" native="true" href="https://netzlehrer.substack.com?utm_source=substack&amp;utm_campaign=publication_embed&amp;utm_medium=web&amp;embedding_publication_id=4369993"><img class="embedded-publication-logo" src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!KXFo!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd2e2eaea-5ec7-4219-b35f-314ec475fff5_1023x1023.png" width="56" height="56" style="background-color: rgb(255, 255, 255);"><span class="embedded-publication-name">Stimme f&#252;r Bildungswandel</span><div class="embedded-publication-hero-text">Ideen f&#252;r und Reflexionen zu einer Bildung, die in Zeiten von KI, Krise und sozialer Ungerechtigkeit relevant und wirksam f&#252;r die demokratische Gesellschaft bleibt. </div><div class="embedded-publication-author-name">Von Bob Blume</div></a><form class="embedded-publication-subscribe" method="GET" action="https://netzlehrer.substack.com/subscribe?embedding_publication_id=4369993"><input type="hidden" name="source" value="publication-embed"><input type="hidden" name="autoSubmit" value="true"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein &#8230;"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"></form></div></div><div><hr></div><p><span>Au&#223;erdem ist die Schule aus Sicht der Rechten zentrales Terrain des Kulturkampfs, denn dort w&#252;rden die falschen liberalen Werte vermittelt. An die Stelle von Gleichheit und Emanzipation sollen starke F&#252;hrung, Gemeinschaft, Heimatorientierung und die Betonung von Unterschieden treten. Bildung ist damit ein Schl&#252;sselbereich rechter Metapolitik. Schule erziehe zum &#8222;Antideutschsein&#8220;, schreibt der AfD-Politiker </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/hans-thomas-tillschneider-kulturpolitik-wie-es-ist-deutsch-zu-sein"><span>Hans-Thomas Tillschneider in seinem Buch Kulturpolitik</span></a><span>. Das Bildungssystem sei &#8222;als Ganzes vorz&#252;glicher Ausdruck der Nationalkultur&#8220; und funktioniere f&#252;r den Heidegger-Fan Tillschneider nur dann, &#8222;wenn es dieses Sein &#252;bernimmt, ganz bei sich ist und dazu steht, da&#223; in ihm deutsches Wesen Ausdruck findet&#8220;. Der Kampf um das Menschenbild, Hierarchien und Ungleichheit endet nicht vor dem Klassenzimmer, sondern wird genau dort ausgetragen.</span></p><h3><strong><span>Bildung als Metapolitik</span></strong></h3><p><span>Ausgerechnet die Bildungspolitik bietet f&#252;r die Rechte gro&#223;e Spielr&#228;ume, denn sie l&#228;sst sich vergleichsweise schnell umsetzen und bleibt oft unterhalb der &#246;ffentlichen Aufmerksamkeitsschwelle. Das ist umso problematischer, weil Bildung es medial sowieso schwer hat, wenn nicht gerade eine </span><a href="https://substack.com/home/post/p-214603914"><span>PISA-Studie einen nie dagewesenen Kompetenzverlust in allen Bereichen attestiert</span></a><span>.</span></p><p><span>Das liegt auch daran, dass das komplexe Mehrebenensystem der Bildung nur schwer so aufbereitet werden kann, dass eine breitere &#214;ffentlichkeit einzelne &#196;nderungen und Reformen nachvollziehen kann. Die Konsequenz: Eine dauerhafte Bildungsdebatte, die es regelm&#228;&#223;ig in die Schlagzeilen schafft, gibt es kaum, vor allem keine bundesweite.</span></p><p><span>Das machen sich Rechte und Rechtsradikale zunutze, denn nach Art. 7 Abs. 1 des Grundgesetzes steht das Schulwesen unter staatlicher Aufsicht. Praktisch verf&#252;gen die Kultusministerien &#252;ber weitreichende Steuerungsm&#246;glichkeiten. Verbeamtete Lehrkr&#228;fte sind an die Weisungen des Ministeriums und der Beh&#246;rde gebunden; auch tarifbesch&#228;ftigte Lehrkr&#228;fte unterliegen den dienstlichen Vorgaben. Ein Erlass kann entsprechend konkret bestimmen, was in einer Schule passiert. In anderen Politikfeldern braucht es oft Gesetzgebungsverfahren und &#246;ffentliche Debatten. Viele konkrete Ver&#228;nderungen des Schulalltags aber k&#246;nnen unterhalb der Gesetzgebungsebene &#252;ber Lehrpl&#228;ne, Verordnungen und Erlasse vorgenommen werden. Der rechte Traum von einer starken Exekutive bei gleichzeitiger Schw&#228;chung parlamentarischer und &#246;ffentlicher Auseinandersetzungen findet im Bildungsbereich besonders g&#252;nstige Voraussetzungen.</span></p><h3><strong><span>Das Kaiserreich als Vorbild</span></strong></h3><p><span>Das zeigt sich auch in der medialen Berichterstattung, die solche bildungspolitischen Vorhaben oft nicht in ihrer Tragweite erfasst. In der Besprechung des &#8222;Regierungsprogramms&#8220; der AfD Sachsen-Anhalt </span><a href="https://www.zdf.de/play/talk/lanz-precht-102/lanz-und-precht-folge259-100"><span>hie&#223; es</span></a><span> beispielsweise, die AfD wolle einen &#8222;st&#228;rkeren Schwerpunkt auf das Kaiserreich&#8220; legen. Diese Beschreibung greift aber zu kurz, </span><a href="https://substack.com/home/post/p-214603914"><span>wie die Analyse zeigt</span></a><span>: Es geht nicht blo&#223; um eine andere Gewichtung historischer Epochen, sondern um eine grundlegend andere Funktion der Bildung. Sie soll im Sinne der Nationalkultur Identit&#228;t stiften. Bildung nicht als Raum selbstreflexiven Denkens, sondern als normative Vermittlung eines bestimmten Geschichts- und Gesellschaftsbildes.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/p/afd-schule-bildungspolitik-wahlprogramme-bob-blume?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/p/afd-schule-bildungspolitik-wahlprogramme-bob-blume?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p><span>Es geht also nicht einfach um einen Schwerpunkt auf das Kaiserreich, sondern um einen Staat, der in seinem Kern von Militarismus, ausgepr&#228;gten Geschlechterhierarchien, Kolonialismus und Antisemitismus gepr&#228;gt war. Dieser soll als Inspiration und Vorbild dienen.</span></p><p><span>Das zeigt, wie stark eine AfD-Bildungspolitik in Sachsen-Anhalt von v&#246;lkisch-nationalistischen Vorstellungen gepr&#228;gt ist, was medial aber h&#228;ufig wenig Beachtung findet, obwohl gerade die Bildungspolitik langfristig das Denken in einer Gesellschaft pr&#228;gen kann.</span></p><p><span>Der von der AfD Sachsen-Anhalt gew&#252;nschte Geschichtsunterricht ist nur ein besonders anschauliches Beispiel daf&#252;r, wie rechtsradikale Bildungspolitik wirken kann. Auch in anderen Bereichen zeigt sich, wie sich ein rechtes Bildungsverst&#228;ndnis programmatisch niederschlagen kann. Das l&#228;sst sich  exemplarisch an zwei Passagen aus den aktuellen Wahlprogrammen der AfD in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern zeigen.</span></p><p><span>Zun&#228;chst muss festgehalten werden, dass die Bildungsprogramme der AfD in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sprachlich deutlich moderater daherkommen als das Programm der AfD Sachsen-Anhalt. Viele Forderungen sind bekannt aus konventionellen bildungspolitischen Debatten, in denen es um Leistung, Wissen, Begabung oder Disziplin geht. Daneben finden sich aber Formulierungen &#252;ber die aktuelle Bildungspolitik wie &#8222;ideologische Experimente&#8220;, &#8222;Politisierung&#8220; und &#8222;Fr&#252;hsexualisierung&#8220;, die das rechte Klientel ansprechen sollen. Doch wie grunds&#228;tzlich und weitreichend die vorgeschlagenen Forderungen sind, zeigt sich erst bei genauerer Betrachtung.</span></p><h3><strong><span>Berlin: Selektion durch Sprache?</span></strong></h3><p><span>Das Programm der AfD Berlin ist daf&#252;r ein gutes Beispiel. Es gibt sich im Gegensatz zum Teil offen v&#246;lkisch-nationalistischem Bildungsprogramm der AfD-Sachsen-Anhalt betont gem&#228;&#223;igt. Mehrere Forderungen sind an konservative bildungspolitische Debatten anschlussf&#228;hig: Die AfD verweist auf anzuerkennende Begabung, die letztlich auf eine st&#228;rkere Differenzierung des bestehenden Schulsystems nach Leistung zielt. Hinzu kommt der Fokus auf Wissen und Leistung, gerade in Bezug auf schulische Pr&#252;fungen, die angeblich &#8222;statistische Feigenbl&#228;tter&#8220; seien.</span></p><p><span>Interessanter wird es bei der Sprachf&#246;rderung. Dass die deutsche Sprache ein Schl&#252;ssel zur Bildung ist, wie die AfD schreibt, wird kein Bildungswissenschaftler in Frage stellen. Die AfD fordert aber &#8222;Deutsch-Garantie-Klassen&#8220;: Aufgenommen werden sollen nur Kinder, die per Test eine hohe Kompetenz aufweisen. Eine solche Forderung wirft gleichheitsrechtliche Fragen auf, weil die Auswahl nach Sprachkompetenz bestimmte Herkunftsgruppen besonders treffen kann. Das w&#228;re dann der Fall, wenn die Aussortierung von Kindern nach Sprachkompetenz vor allem jene Kinder nichtdeutscher Herkunft betreffen w&#252;rde.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keine Beitr&#228;ge von uns zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Aufschlussreich ist au&#223;erdem der Schulversuch in Berlin, auf den sich die AfD beruft: Die Gustav-Falke-Grundschule in Berlin-Wedding f&#252;hrte ab dem Schuljahr 2010/11 Klassen f&#252;r Kinder mit nachgewiesen guter Kompetenz in deutscher Sprache ein. Das Ziel des Versuchs war aber gerade nicht eine &#8222;leistungshomogene Zusammensetzung der Klassen&#8220;, wie sie sich die AfD w&#252;nscht, sondern die Leistungsheterogenit&#228;t der gesamten Sch&#252;lerschaft zu erh&#246;hen. Die neu eingef&#252;hrten Klassen sollten Eltern motivieren, ihre Kinder an die Schule zu schicken, die sie sonst zuvor gemieden h&#228;tten. Die AfD &#252;bernimmt damit ein Instrument aus dem Versuch, l&#246;st es aber vom urspr&#252;nglichen Ziel ab.</span></p><h3><strong><span>Mecklenburg-Vorpommern: Verfassung als Ideologie</span></strong></h3><p><span>Auch das Bildungsprogramm der AfD in Mecklenburg-Vorpommern gibt sich moderater als das von Sachsen-Anhalt. Unspektakul&#228;r sind Forderungen nach mehr Mathematik und Naturwissenschaften und weniger Unterrichtsausfall. Doch bei genauerem Hinsehen verbinden sich sachlich &#252;berpr&#252;fbare Behauptungen mit einer deutlich weltanschaulichen Rahmung, etwa wenn es um die politische Bildung geht. </span><a href="https://afd-mv.de/wp-content/uploads/2026/06/AfD-Regierungsprogramm-Mecklenburg-Vorpommern-2026.pdf"><span>Die AfD schreibt</span></a><span>: &#8222;Die Lehrer sind gem&#228;&#223; Schulgesetz angehalten, sich aktiv f&#252;r die &#8218;richtige&#8217; politische Meinung einzusetzen. Die Anmutung von tendenzi&#246;ser &#8218;Staatsb&#252;rgerkunde&#8217; ist un&#252;bersehbar.&#8220;</span></p><p><span>Das ist eine Behauptung &#252;ber einen konkreten Paragraphen, die sich mit einer kurzen &#220;berpr&#252;fung widerlegen l&#228;sst. &#167; 2 Abs. 1 des Schulgesetzes Mecklenburg-Vorpommern bindet den Bildungs- und Erziehungsauftrag an die Wertentscheidungen des Grundgesetzes und der Landesverfassung. Ziel ist die Entwicklung zur m&#252;ndigen, vielseitig entwickelten Pers&#246;nlichkeit, die im Geiste der Geschlechtergerechtigkeit und Toleranz Verantwortung f&#252;r die Gemeinschaft &#252;bernimmt.</span></p><p><span>Der rhetorische Schritt besteht darin, die Bindung an die Verfassung als parteipolitische Bindung umzudeuten. Bemerkenswert ist dabei der Begriff &#8222;Staatsb&#252;rgerkunde&#8220;, der in einem ostdeutschen Bundesland unmittelbar an die DDR erinnert. Toleranz und Geschlechtergerechtigkeit erscheinen in dieser Darstellung nicht mehr als Elemente des gesetzlichen Bildungsauftrags, sondern als Ausdruck einer bestimmten politischen Ideologie.</span></p><h3><strong><span>Wer indoktriniert hier wen?</span></strong></h3><p><span>Ein grunds&#228;tzlicher, den untersuchten AfD-Programmen zugrunde liegender Widerspruch findet sich bereits in der </span><a href="https://afd.berlin/abgeordnetenhauswahl/"><span>Pr&#228;ambel des Programms der AfD-Berlin</span></a><span>. So soll es ein &#8222;Indoktrinationsverbot&#8220; geben, &#8222;ideologische Kampagnen&#8220; sollen gestoppt werden. Zugleich formuliert die AfD selbst sehr konkrete Vorstellungen, welche Werte, Geschichts- und Familienbilder in der Schule vermittelt werden sollen.</span></p><p><span>Die genannten Beispiele aus den Programmen der AfD in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind nur Ausschnitte. Dezidiert rechte Positionen lie&#223;en sich auch beim Religionsunterricht, bei Inklusion oder bei der Sexualp&#228;dagogik finden. Und noch etwas zeigt ein Blick in die Programme: Einige Ideen der AfD, und zwar gerade jene, die nicht rechtsradikal sind, beziehen sich auf tats&#228;chliche Probleme und sind damit anschlussf&#228;hig: Wir haben in der Tat einen massiven Lehrermangel, die Kompetenzen vieler Kinder sind zur&#252;ckgegangen und die Verwaltungsstrukturen sind komplex und erschweren oftmals Reformen. Diese Probleme sind seit Jahren ungel&#246;st. Die AfD profitiert davon.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wird die AfD in Sachsen-Anhalt wirklich regieren? ]]></title><description><![CDATA[Die AfD will regieren &#8211; zumindest vermittelt sie diesen Eindruck. Doch eine Analyse der f&#252;nf wahrscheinlichsten Szenarien zeigt: Ein AfD-Ministerpr&#228;sident ist m&#246;glich, aber eher unwahrscheinlich.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/wird-die-afd-in-sachsen-anhalt-regieren</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/wird-die-afd-in-sachsen-anhalt-regieren</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Tue, 15 Sep 2026 09:43:24 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/215795576/d733d25eeaa066997c4664e264a55a5f.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>In den Tagen nach der Landtagswahl gibt sich die AfD selbstbewusst: Sie will den n&#228;chsten Ministerpr&#228;sidenten von Sachsen-Anhalt stellen. Doch f&#252;r eine absolute Mehrheit fehlen ihr drei Stimmen. Deshalb versucht sie derzeit, einzelne CDU-Abgeordnete auf ihre Seite zu ziehen, und spricht zugleich mit dem BSW &#252;ber m&#246;gliche Formen der Zusammenarbeit. Von ihren zentralen Positionen will sie dabei allerdings nicht abr&#252;cken.</span></p><p><span>Wie realistisch ist es also, dass Ulrich Siegmund tats&#228;chlich Ministerpr&#228;sident wird? Setzt die AfD auf Abweichler aus der CDU, auf eine Verst&#228;ndigung mit dem BSW oder auf eine Minderheitsregierung? Und will sie &#252;berhaupt um jeden Preis regieren?<br>In dieser Solo-Folge schaut Sebastian auf die Aussagen f&#252;hrender AfD-Politiker seit der Wahl und versucht, zwischen den Zeilen zu lesen. Denn &#246;ffentliche Auftritte, Interviews und Botschaften an die eigene Anh&#228;ngerschaft ergeben nicht immer dasselbe Bild.</span></p><p><span>Es geht um Regierungslust und Regierungsangst &#8211; und mit Blick auf die noch anstehenden Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern auch um strategische Kommunikation.</span></p><p><span>Dies ist eine von mindestens zwei Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Eine Folge besch&#228;ftigt sich mit einem aktuellen Thema, in einer weiteren Bonusfolge lesen wir gemeinsam ein Buch und sprechen &#252;ber die Theorien der Rechten. Da wir Podcast und Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Ab 5 Euro im Monat erh&#228;ltst du Zugriff auf alle Folgen:</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Sachsen-Anhalt als Labor: Was AfD und Vorfeld jetzt vorhaben]]></title><description><![CDATA[Aus Regierungsangst wird Regierungslust: Nach 43,8 Prozent denkt die Rechte &#252;ber Exekutivmacht, institutionelle Spielr&#228;ume und die Grenzen des Machbaren nach.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/sachsen-anhalt-als-labor-regierungsangst-regierungslust-afd-siegmund</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/sachsen-anhalt-als-labor-regierungsangst-regierungslust-afd-siegmund</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Fri, 11 Sep 2026 06:25:38 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/2374c778-6d56-4f3c-afb5-daf22f02b410_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Die Skeptiker sind erst einmal verstummt: Jene in AfD und Vorfeld, die vor der Wahl offen oder hinter vorgehaltener Hand vor einer Regierungs&#252;bernahme in Sachsen-Anhalt gewarnt haben, halten sich nun zur&#252;ck. So etwa Torben Braga. Der Bundestagsabgeordnete aus dem Landesverband Th&#252;ringen sprach noch im Juli &#246;ffentlich davon, er blicke bei der Frage nach einer m&#246;glichen Regierungs&#252;bernahme &#8222;mit gro&#223;er Sorge auf die nahe Zukunft&#8220; und er &#8222;glaube nicht, dass die Partei so weit ist&#8220;. Von der Regierungsangst, &#252;ber die </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/regierungsangst-afd-sachsen-anhalt-torben-braga"><span>wir noch im August berichteten</span></a><span>, ist nach der Wahl nichts mehr zu sp&#252;ren.</span></p><h3><strong><span>Eine Z&#228;sur f&#252;r die Rechte</span></strong></h3><p><span>Bei 43,8 Prozent gibt es f&#252;r solche Stimmen kaum noch Resonanz. Mit dem Erfolg verschiebt sich f&#252;r die Rechte der Fokus: Lange arbeitete sie daran, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, kulturelle Hegemonie zu gewinnen und rechtes Denken zu normalisieren. Viele Jahre konzentrierte sich jenes Spektrum, das sich nicht in CDU, CSU oder FDP integrieren lassen wollte, auf den Kulturkampf um die K&#246;pfe. Mit der Gr&#252;ndung der AfD weitete die Rechte ihren Kampf auf die Parlamente aus </span>&#8211; als Protestpartei.<span> </span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere &#220;ber Rechts, um in Zukunft keinen Text und keine Podcast-Folge zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Dabei gingen Wahlforschungsinstitute lange davon aus, das Potenzial der AfD sei bei etwa 20 Prozent ersch&#246;pft. In ihren ersten zehn Jahren gelang es der Partei tats&#228;chlich nie, diese gl&#228;serne Decke in bundesweiten Umfragen dauerhaft zu durchsto&#223;en. Doch mit Migrationsdebatten, Corona-Krise, Ukraine-Krieg und Rezession hat sich ihr Potenzial immer weiter vergr&#246;&#223;ert. Aus der Protestpartei ist eine Partei der organisierten Unzufriedenheit geworden.</span></p><p><span>Sie erschloss Milieus, die zuvor nie rechts gew&#228;hlt hatten, und mobilisierte vor allem jene, die von Politik schon lange nichts mehr wissen wollten. Wie ein Staubsauger saugt sie heute diffuse wie zielgerichtete Unzufriedenheit auf und f&#252;gt sie zu einer nationalistischen Gesamterz&#228;hlung. Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt k&#246;nnte es nun darum gehen herauszufinden, was sich mit dieser gesellschaftlichen St&#228;rke tats&#228;chlich durchsetzen l&#228;sst. Die n&#228;chste Grenze ist die des politisch Machbaren.</span></p><h3><strong><span>Eine Ermutigung zum Weitermachen</span></strong></h3><p><span>Die knapp 44 Prozent in Sachsen-Anhalt sind auch eine Ermutigung zum radikalen Kurs, f&#252;r den der Landesverband um Ulrich Siegmund, aber auch die Bundespartei steht. Was vor wenigen Jahren selbst innerparteilich noch zu Ausschlussverfahren oder zumindest hektischen Distanzierungen gef&#252;hrt h&#228;tte, interessiert heute kaum noch. So etwa </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/heimattreue-deutsche-jugend-hdj-afd-sachsen-anhalt"><span>die Vergangenheit mehrerer AfD-Mitarbeiter</span></a><span> als Funktion&#228;re der verbotenen neonazistischen </span><em><span>Heimattreuen Deutschen Jugend</span></em><span>. Davon musste sich die AfD nicht mehr ernsthaft distanzieren, negative Auswirkungen auf ihr Resultat waren nicht erkennbar. Gerade im radikalen Vorfeld hat man das aufmerksam registriert.</span></p><p><span>&#196;hnlich wirkungslos blieben andere Formen der Kritik. Das Motto &#8222;Alles ist m&#246;glich&#8220; griff das weitverbreitete Gef&#252;hl auf, </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus"><span>dass Politik nichts mehr ver&#228;ndere</span></a><span>. Viele der damit verbundenen Forderungen seien auf Landesebene doch gar nicht umsetzbar, warfen politische Gegnerinnen und Journalisten Spitzenkandidat Ulrich Siegmund immer wieder vor. Allein dieser Einwand best&#228;tigt aus AfD-Perspektive ihre Erz&#228;hlung, dass es dem Establishment an Durchsetzungskraft fehlt. Siegmunds Antwort &#8211; dann setze man sich eben im Bundesrat daf&#252;r ein &#8211; d&#252;rfte vielen seiner W&#228;hlerinnen und W&#228;hler herzlich egal gewesen sein.</span></p><h3><strong><span>Wie Siegmund Ministerpr&#228;sident werden k&#246;nnte</span></strong></h3><p><span>Damit Ulrich Siegmund tats&#228;chlich Ministerpr&#228;sident wird, werden aktuell vor allem drei Wege diskutiert; alle drei erscheinen nach aktuellem Stand aber eher unwahrscheinlich.</span></p><p><span>Der erste f&#252;hrt &#252;ber Abgeordnete der Union. Bisher deutet wenig darauf hin, dass sich mindestens drei CDU-Abgeordnete zur Unterst&#252;tzung Siegmunds finden. &#196;hnlich sieht es beim zweiten Szenario aus: &#8222;Die f&#252;nf Stimmen des BSW k&#246;nnten der AfD zur absoluten Mehrheit verhelfen.&#8220; Zwar zeigt sich das BSW in einzelnen Fragen offen, bei der Ministerpr&#228;sidentenwahl will es sich derzeit aber enthalten. Eine geregelte Tolerierung oder gar Koalition mit der AfD d&#252;rfte erhebliches Spaltpotenzial f&#252;r die gesamte Partei haben, was aber im Falle des BSW kein Ausschlusskriterium sein muss.</span></p><p><span>Bleibt die dritte Variante: Regieren ohne Koalitionsmehrheit und ohne feste Tolerierung. Auch sie erscheint derzeit unwahrscheinlich, denn Siegmund hat mehrfach erkl&#228;rt, nur mit stabilen Mehrheiten regieren zu wollen. Nicht zu untersch&#228;tzen ist, dass ein solches Modell erhebliche Risiken und unvorhersehbare Unw&#228;gbarkeiten mit sich bringen d&#252;rfte.</span></p><h3><strong><span>Von der Regierungsangst zur Lust am Austesten</span></strong></h3><p><span>Nach Lage der Dinge ist deshalb momentan am wahrscheinlichsten, dass es zumindest mit Blick auf die kommenden Wochen keinen Ministerpr&#228;sidenten Ulrich Siegmund geben wird. Das erleichtert es vielleicht den einstigen Skeptikern, aktuell umzuschwenken. Am Dienstag nach der Wahl machte Torben Braga, der noch kurz zuvor vor einer Regierungs&#252;bernahme gewarnt hatte, </span><a href="https://x.com/torben_braga/status/2097326835595976850"><span>auf X einen Vorschlag</span></a><span>: Die AfD m&#252;sse gar keine Koalition eingehen, um Regierungsmacht auszu&#252;ben und institutionelle Spielr&#228;ume auszureizen.</span></p><p><span>Braga blickt daf&#252;r auf die Landesverfassung. Siegmund k&#246;nne sich auch ohne gesicherte Mehrheit zur Wahl stellen. Scheitere er zun&#228;chst an der absoluten Mehrheit, drohten entweder Neuwahlen oder eine sehr breite Gegenkoalition; in sp&#228;teren Wahlg&#228;ngen k&#246;nnte wom&#246;glich doch die entscheidende Stimme f&#252;r Siegmund zusammenkommen.</span></p><p><span>Vor allem aber verweist Braga auf einen Punkt, der in der bisherigen Debatte wenig beachtet wurde: Ein Ministerpr&#228;sident verf&#252;gt auch ohne stabile Parlamentsmehrheit &#252;ber Exekutivmacht: Eine Regierung Siegmund k&#246;nnte Verwaltung, Verfassungsschutz, Polizei, Bildungs- und Migrationspolitik und das Spitzenpersonal im Land wesentlich pr&#228;gen. Bragas Tweet wurde binnen 48 Stunden mehr als 200.000 Mal angezeigt. &#214;ffentlicher Gegenwind war nicht zu vernehmen. So schnell kann aus Regierungsangst Regierungslust werden.</span></p><p><span>Dass Braga institutionelle Spielr&#228;ume gerne bis an ihre Grenzen austestet, ist nicht neu. 2024 war er als parlamentarischer Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der AfD-Fraktion wesentlich am Eklat um die konstituierende Sitzung des Th&#252;ringer Landtags beteiligt. Er beriet w&#228;hrend der Sitzung den AfD-Alterspr&#228;sidenten J&#252;rgen Treutler, der Antr&#228;ge und Abstimmungen des neuen Parlaments zun&#228;chst nicht zulie&#223;. Der Th&#252;ringer Verfassungsgerichtshof wurde angerufen, stoppte das Vorgehen und stellte klar, dass Treutler seine Kompetenzen &#252;berschritten hatte.</span></p><h3><strong><span>Warum die Skeptiker schweigen</span></strong></h3><p><span>Das Wahlergebnis hat die Bedingungen des AfD-internen Strategiekonflikts ver&#228;ndert. Bei 43,8 Prozent ist es schwer vermittelbar, freiwillig auf den Anspruch auf Regierungsmacht zu verzichten. Eine Partei, die fast jeden zweiten W&#228;hler hinter sich versammelt, hat die klare Aufgabe, sich eine Mehrheit zu suchen. Zumindest muss man so tun, als gehe es darum.</span></p><p><span>Auch in jenen Teilen des Vorfelds, die eher langfristig und &#8222;grunds&#228;tzlich&#8220; radikal orientiert sind, h&#228;lt man sich deshalb mit Warnungen vor einem m&#246;glichen AfD-Ministerpr&#228;sidenten auff&#228;llig zur&#252;ck.</span></p><p><span>Im Podcast </span><em><span>Von rechts gelesen</span></em><span> des nationalrevolution&#228;r bis eurofaschistisch gepr&#228;gten Jungeuropa-Verlags </span><a href="https://youtu.be/XR4_yC71ZWE?si=AcDko7RCpMRox55S&amp;t=1020"><span>betont man vor allem die M&#246;glichkeiten</span></a><span>, die ein Ministerpr&#228;sident der AfD er&#246;ffnen k&#246;nnte. Michael Sch&#228;fer argumentiert dort, dass sich Sachsen-Anhalt durchaus eigne, um erste Regierungserfahrungen zu sammeln: &#8222;Unsere Leute brauchen die Erfahrung, warum nicht in Sachsen-Anhalt?&#8220;, fragt Sch&#228;fer, ein ehemaliges NPD-Mitglied, das heute beim rechten Kampagnennetzwerk </span><em><span>Ein Prozent</span></em><span> aktiv ist, einer zentralen Schnittstelle eines Teils des Vorfelds. </span></p><p><span>Philip Stein, Verlagschef des </span><em><span>Jungeuropa-Verlags</span></em><span> und Leiter von </span><em><span>Ein Prozent</span></em><span>, hebt in dem Podcast vor allem positiv hervor, dass Siegmund und die AfD Sachsen-Anhalt das Vorfeld vorbildlich einbezogen h&#228;tten, etwa das identit&#228;re &#8222;Filmkunstkollektiv&#8220;. Zugleich betont Stein auff&#228;llig stark in der Folge, dass man einen m&#246;glichen Ministerpr&#228;sidenten Siegmund k&#252;nftig auch kritisieren werde, wenn es notwendig ist. Ob sich das tats&#228;chlich durchhalten lie&#223;e, sollten weiterhin wichtige Akteure aus dem eigenen Stall beteiligt sein, steht auf einem anderen Blatt.</span></p><h3><strong><span>Sachsen-Anhalt als Labor</span></strong></h3><p><span>Damit wird Sachsen-Anhalt aus Sicht dieser Rechten zu einem m&#246;glichen Labor, wie es David Begrich am Morgen nach der Wahl im </span><em><a href="https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich"><span>&#220;ber Rechts</span></a></em><a href="https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich"><span>-Podcast ausgedr&#252;ckt hat</span></a><span>: &#8222;Wir werden sehen, dass die AfD Sachsen-Anhalt zum Labor umbauen will, um mal auszutesten, welche ihrer Politikkonzepte funktionieren denn hier.&#8220;</span></p><p><span>In Sachsen-Anhalt k&#246;nnte erstmals gelernt werden, was es hei&#223;t, Ministerien und Verwaltungen zu f&#252;hren, Personal einzusetzen und politische Vorstellungen in staatliches Handeln zu &#252;bersetzen, etwa bei einem der Kernkonzepte.</span></p><p><span>Auf der Homepage der </span><em><span>Sezession</span></em><span> erschien direkt am Tag nach der Wahl ein </span><a href="https://sezession.de/71212/remigration-ein-plan-fuer-sachsen-anhalt"><span>Gastbeitrag von Philipp Huemer</span></a><span> vom gerade erst gegr&#252;ndeten &#8222;Institut f&#252;r Remigration&#8220;, das europaweit rechte Politiker, Journalisten und Aktivsten vernetzen m&#246;chte. Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt gebe es nun Anlass f&#252;r &#8222;konkrete Planungen mit der Chance auf Umsetzung&#8220;. Weiter hei&#223;t es: &#8222;Sachsen-Anhalt k&#246;nnte zum Remigrationsmusterland werden &#8211; als politisches Labor, in dem sichtbar wird, welche M&#246;glichkeiten ein einzelnes Bundesland tats&#228;chlich besitzt.&#8220;</span></p><p><span>&#220;ber Migration hinaus w&#252;rde eine AfD-Regierung sicher noch weitere Grenzen testen wollen: Welche F&#246;rdermittel f&#252;r Kultur und Zivilgesellschaft k&#246;nnen gestrichen werden? Wie tief l&#228;sst sich in Lehrpl&#228;ne eingreifen? Wie stark kann der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk unter Druck gesetzt werden? Wie weit l&#228;sst sich eine Verwaltung umbauen?</span></p><p><span>Sachsen-Anhalt bietet daf&#252;r aus dieser Perspektive g&#252;nstige Bedingungen. Das Land ist &#252;berschaubar genug, um Regierungspraxis zu erproben, ohne dass Fehler zu schwerwiegenden Konsequenzen f&#252;r das politische Projekt f&#252;hren w&#252;rden, zugleich aber gro&#223; genug, um Erfahrungen und Erkenntnisse f&#252;r m&#246;gliche Regierungen in anderen Bundesl&#228;ndern zu gewinnen.</span></p><p><span>Egal, wie die Regierungsfindung in Sachsen-Anhalt ausgeht: AfD und Vorfeld f&#252;hlen sich bereit f&#252;r die n&#228;chste Phase.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">&#220;ber Rechts ist eine von Lesern unterst&#252;tzte Publikation. Um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterst&#252;tzen, ziehen Sie in Betracht, ein Free- oder Paid-Abonnent zu werden.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nach dem AfD-Sieg: Was lernen wir aus Sachsen-Anhalt?]]></title><description><![CDATA[Jetzt anh&#246;ren | Ein Gespr&#228;ch mit David Begrich dar&#252;ber, warum die AfD so stark werden konnte, wie ihr die politische Polarisierung genutzt haben k&#246;nnte &#8211; und welche Konsequenzen daraus f&#252;r die Zukunft folgen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/afd-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-david-begrich</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Mon, 07 Sep 2026 14:09:14 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/214573470/9be523b47dea4bc7b72d939b2d88cf7d.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>43,8 Prozent f&#252;r die AfD in Sachsen-Anhalt sind weit mehr als ein au&#223;ergew&#246;hnlicher Wahlerfolg. Die politische Ordnung der ganzen Republik ist ins Rutschen geraten.</p><p>Wie konnte die AfD so stark werden? Welche Rolle spielen ostdeutsche Erfahrungen, die Entfremdung vom politischen System und das Verschwinden fr&#252;herer politischer Bindungen? Wie wichtig war Ulrich Siegmunds emotionalisierter Wahlkampf &#8211; und inwiefern nutzte den Rechten die Polarisierung zwischen AfD und den &#8222;demokratischen Parteien&#8220;?</p><p>Sebastian spricht in dieser Folge mit dem Sozialwissenschaftler und Theologen David Begrich von Miteinander e.V. &#252;ber die Ursachen des AfD-Erfolgs, die Grenzen einer vor allem moralischen Auseinandersetzung mit der extremen Rechten und dar&#252;ber, was das Ergebnis f&#252;r Vereine, Beratungsstellen und andere zivilgesellschaftliche Akteure bedeutet.</p><p>Dies ist eine von zwei Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Eine Folge besch&#228;ftigt sich mit einem aktuellen Thema, in einer weiteren Bonusfolge lesen wir gemeinsam ein Buch und sprechen &#252;ber die Theorien der Rechten. Da wir Podcast und Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Ab 5 Euro im Monat erh&#228;ltst du Zugriff auf alle Folgen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Alle schauen nach Sachsen-Anhalt. Aber was sehen sie eigentlich?]]></title><description><![CDATA[Wenn die AfD die Rache des Ostens ist, dann ist diese Rache nur auf den ersten Blick gelungen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/alle-schauen-nach-sachsen-anhalt</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/alle-schauen-nach-sachsen-anhalt</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 05 Sep 2026 13:46:25 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/7666e7c4-b378-4258-ba49-c882aefe0af5_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>&#8222;Die AfD ist die Rache des Ostens&#8220;, sagte der Theaterregisseur Frank Castorf in einem </span><a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/frank-castorf-die-afd-ist-die-rache-des-ostens-interview-2243097"><span>Interview mit der </span></a><em><a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/frank-castorf-die-afd-ist-die-rache-des-ostens-interview-2243097"><span>Berliner Zeitung</span></a></em><span>. Gemeint war, dass sich die zunehmende Popularit&#228;t der AfD auch als Reaktion auf Nachwende-Erfahrungen verstehen l&#228;sst, als Ergebnis jahrzehntelanger kultureller Herabsetzung, westdeutscher Bevormundung und &#220;berheblichkeit. Blickt man auf die seit Wochen, teilweise seit Monaten andauernde Debatte &#252;ber Sachsen-Anhalt, k&#246;nnte man den Eindruck bekommen, dass sich Castorfs These gerade best&#228;tigt.</span></p><p><span>Zun&#228;chst einmal l&#228;sst sich konstatieren: Die Umfragen, die die AfD seit Monaten stabil um oder &#252;ber 40 Prozent sehen, zwingen die Republik, nach Sachsen-Anhalt zu schauen. Orte, von denen viele Menschen in Westdeutschland vorher vermutlich noch nie etwas geh&#246;rt haben, tauchen nun in Fernsehbeitr&#228;gen und langen Printreportagen auf: Tangerm&#252;nde, Kl&#246;tze, Haldensleben.</span></p><p><span>Sachsen-Anhalt stand jahrzehntelang eher am Rand der Aufmerksamkeit. Medial sichtbar wurde das Bundesland &#8211; wie der Osten insgesamt &#8211; vor allem dann, wenn es um Probleme ging, wie eine</span><a href="https://dna-des-ostens.de/der-osten-in-den-medien/"><span> Erhebung von Martin Kopplin und Olaf Jacobs zeigt</span></a><span>. Im bundesdeutschen Alltagsbewusstsein tauchte Sachsen-Anhalt ansonsten allenfalls gelegentlich auf, etwa wenn &#252;ber das auf Autobahnschildern propagierte Landesmotto geschmunzelt wurde, Sachsen-Anhalt sei das Land der Fr&#252;haufsteher. Nun steht das Bundesland pl&#246;tzlich im Zentrum.</span></p><h3><strong><span>Sachsen-Anhalt als erster Dominostein</span></strong></h3><p><span>Die St&#228;rke der AfD produziert Aufmerksamkeit, mitunter sogar Stolz, vor allem bei jenen, die sich von Siegmund mitrei&#223;en lassen. Dass Sachsen-Anhalt dieses Mal ganz vorne sei, geh&#246;rt zur Siegeserz&#228;hlung der AfD: als erster Dominostein, der f&#228;llt, damit sich endlich im ganzen Land etwas &#228;ndert. &#8222;Am Sonntag schaut die ganze Welt nach Magdeburg&#8220;, sagte etwa der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian M&#252;nzenmaier bei einer Wahlkampfveranstaltung in Magdeburg.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Beitrag zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Ulrich Siegmund, der dauergrinsende </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus"><span>Gute-Laune-Populist</span></a><span>, gibt jenen, die sich lange auf der Verliererstra&#223;e sahen, das Gef&#252;hl, wenigstens dieses eine Mal zu den Gewinnern geh&#246;ren zu k&#246;nnen. Gewinner, weil ihre Partei am Ende auf Platz eins stehen k&#246;nnte und sie damit wohl oder &#252;bel in die Geschichte eingehen w&#252;rden. Neben dem zentralen Wahlslogan &#8222;Alles ist m&#246;glich&#8220; d&#252;rfte es in den vergangenen Wochen kaum eine Rede gegeben haben, in der Siegmund nicht auch davon sprach, dass es um ganz Deutschland gehe und darum, Geschichte zu schreiben.</span></p><p><span>So gesehen kann die Wahl der AfD als Aufstand derjenigen erscheinen, die sich lange vernachl&#228;ssigt sahen. Doch was gewinnen Sachsen-Anhalt und der Osten durch die Aufmerksamkeit, die diese Rache erzeugt? Allgemeiner gefragt: Um welche Form der Aufmerksamkeit handelt es sich eigentlich?</span></p><h3><strong><span>Sachsen-Anhalt als AfD-Land</span></strong></h3><p><span>In den Medienbeitr&#228;gen, die in diesen Tagen aus Sachsen-Anhalt zu lesen sind, gibt es viel Aufschlussreiches. Etwa einen Text von Jakob </span><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>Springfeld im </span></a><em><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>Freitag</span></a></em><span> &#252;ber jene, die der rechten Dominanz vor Ort etwas entgegensetzen. Einen &#228;hnlichen Blick hatte bereits im Juli </span><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>die </span></a><em><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span>taz</span></a></em><a href="https://www.freitag.de/autoren/jakob-springfeld/jakob-springfeld-warum-sachsen-anhalt-zu-meinem-sachsen-rueckhalt-geworden-ist"><span> gew&#228;hlt</span></a><span>, als sie unter der &#220;berschrift &#8222;Die lebendigste Zivilgesellschaft der Republik&#8220; Initiativen und Kulturorte vorstellte. Und bei </span><em><a href="https://jacobin.de/sachsen-anhalt-siegmund-afd-bsw-linke/"><span>Jacobin</span></a></em><a href="https://jacobin.de/sachsen-anhalt-siegmund-afd-bsw-linke/"><span> hat Thomas Zimmermann</span></a><span> mit Blick auf Sachsen-Anhalt j&#252;ngst lesenswert &#252;ber linke Schlussfolgerungen aus der St&#228;rke der AfD geschrieben.</span></p><p><span>Empfehlenswert ist bei der Gelegenheit auch die aktuelle Printausgabe von </span><em><span>Jacobin</span></em><span>, die den Schwerpunkt Antifaschismus hat. Nils und ich haben ebenfalls einen Beitrag beigesteuert.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://jacobin.de/magazin/25-antifaschismus/&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Hier gehts zu Jacobin #25 Antifaschismus&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://jacobin.de/magazin/25-antifaschismus/"><span>Hier gehts zu Jacobin #25 Antifaschismus</span></a></p><p><span>Trotz dieser Gegenbeispiele &#252;berwiegen die Beitr&#228;ge, die sich um die AfD drehen, um ihren charismatischen Spitzenkandidaten, um d&#252;stere Hinterm&#228;nner, rechte Kontinuit&#228;ten, Aggression und Rassismus. Dass solche Beitr&#228;ge &#252;berwiegen, ist nachvollziehbar und auch wir haben uns in den vergangenen Monaten genau mit diesen Themen befasst. Trotzdem zeigt sich in dieser Schwerpunktsetzung: Die gesellschaftlichen Widerspr&#252;che in Sachsen-Anhalt erscheinen nicht aus sich heraus als relevant, sondern vor allem jetzt, da dort rund 40 Prozent die AfD w&#228;hlen wollen.</span></p><p><span>Die von Castorf beschriebene Rache des Ostens erzwingt damit vor allem eine Aufmerksamkeit f&#252;r Sachsen-Anhalt als AfD-Land. Darin wiederholt sich eine Perspektive auf Ostdeutschland, die seit Jahrzehnten dominant ist. Ostdeutschland wird besonders dann sichtbar, wenn es als Problem erscheint: bei Wahlen, wenn sich irgendwo Menschen zusammenrotten, um gegen eine Fl&#252;chtlingsunterkunft zu demonstrieren, oder wenn erkl&#228;rt werden soll, was es mit Menschen macht, in einer schrumpfenden Region zu leben. Die starke mediale Verkn&#252;pfung von Ostdeutschland und AfD passt in dieses Muster.</span></p><h3><strong><span>Die Externalisierung des Problems AfD</span></strong></h3><p><span>Wie der Literaturwissenschaftler Dirk Oschmann in seinem viel beachteten Buch </span><em><span>Der Osten. Eine westdeutsche Erfindung</span></em><span> argumentiert, hat diese Perspektive auch eine entlastende Funktion. Der Osten werde aus westdeutscher Perspektive als Abweichung wahrgenommen, gesamtdeutsche Probleme w&#252;rden regionalisiert. Unter R&#252;ckgriff auf den Soziologen Stephan Lessenich beschreibt Oschmann einen Mechanismus der Externalisierung: Gerade beim Rechtsradikalismus werde ein gesamtgesellschaftliches Problem auf den Osten ausgelagert.</span></p><p><span>Dieser Auslagerungsmechanismus l&#228;sst sich auch in der gegenw&#228;rtigen Aufmerksamkeit f&#252;r Sachsen-Anhalt erkennen. Der Hype um die Landtagswahl tr&#228;gt dazu bei, die AfD vor allem als ostdeutsches Problem erscheinen zu lassen.</span></p><p><span>Ganz falsch ist das nat&#252;rlich nicht. Es gibt ein ostdeutsches Spezifikum bei der AfD. Immerhin ist die Partei in keinem westdeutschen Bundesland auch nur ann&#228;hernd auf dem Weg zu solchen Ergebnissen. Und doch liegt die AfD inzwischen auch im Westen im Schnitt bei rund 20 Prozent. Das &#8222;Problem AfD&#8220; ist also l&#228;ngst kein ostdeutsches Problem mehr.</span></p><h3><strong><span>Was passiert nach Schlie&#223;ung der Wahllokale?</span></strong></h3><p><span>Die Rache des Ostens gelingt damit nur auf den ersten Blick: Der Osten zwingt die politische und mediale &#214;ffentlichkeit hinzuschauen. Die Rache ver&#228;ndert aber nicht die Diskursordnung: Sachsen-Anhalt bekommt nun zwar so viel Aufmerksamkeit wie selten zuvor, erscheint aber weiterhin vor allem als Schauplatz eines rechtsradikalen Durchbruchs. Die St&#228;rke der AfD mag die bundesdeutsche &#214;ffentlichkeit gezwungen haben, auf Sachsen-Anhalt zu schauen. Gleichzeitig besetzt die Partei das Bild, das man sich von diesem Land macht.</span></p><p><span>Wenn die Wahllokale geschlossen sind und eine neue Regierung gebildet ist, d&#252;rfte sich der Scheinwerfer wieder wegbewegen, zumindest legen das die bisherigen Muster der Ost-Berichterstattung nahe. Erst recht, wenn es am Ende keine AfD-Regierung geben sollte. Sachsen-Anhalt w&#252;rde dann schnell wieder von der Mitte an den Rand der Aufmerksamkeit r&#252;cken. Zumindest bis zur n&#228;chsten Wahl.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die Heimattreue Deutsche Jugend: Woher die Kader kommen, die heute die AfD Sachsen-Anhalt prägen]]></title><description><![CDATA[Mehrere Mitarbeiter der AfD Sachsen-Anhalt waren fr&#252;her in der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) aktiv. Die Neonazi-Organisation wollte gezielt politische Kader f&#252;r die Zukunft formen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/heimattreue-deutsche-jugend-hdj-afd-sachsen-anhalt</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/heimattreue-deutsche-jugend-hdj-afd-sachsen-anhalt</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Thu, 03 Sep 2026 10:28:49 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/1404802a-df41-4fcb-85aa-b50532ece89a_3600x1890.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Es ist eine Frage, mit der Ulrich Siegmund gerade immer wieder konfrontiert wird: Was sagt der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt dazu, dass wichtige Mitarbeiter der AfD in Sachsen-Anhalt Teil einer Neonazi-Organisation waren? Es geht um die </span><em><span>Heimattreue Deutsche Jugend</span></em><span>, kurz HDJ. Es ist ein Verband, den das Bundesinnenministerium 2009 wegen der &#8222;ideologischen Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche durch Verbreitung v&#246;lkischer, rassistischer, nationalistischer und nationalsozialistischer Ansichten&#8220; verbot, wie das BMI </span><a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Standardartikel/DE/Themen/Sicherheit/ohneMarginalspalte/verbot_hdj.html"><span>damals begr&#252;ndete</span></a><span>. Zwar ist die HDJ seit nunmehr 17 Jahren verboten, wer sich das Selbstverst&#228;ndnis genauer ansieht, findet jedoch eine Organisation, deren Ziel es von vornherein war, ihre Weltanschauung weit &#252;ber den eigenen Verband hinaus zu verbreiten &#8211; und Kader zu schulen, die dazu in der Lage sind.</span></p><h3><strong><span>HDJ-Kader in der AfD</span></strong></h3><p><span>Immer wieder fallen dieselben Namen. Alle vier arbeiten f&#252;r die AfD in Sachsen-Anhalt: Laurens Nothdurft als Justiziar der Landtagsfraktion, Patrick Harr als Fraktionsgesch&#228;ftsf&#252;hrer und Pressesprecher von Fraktion und Partei, Felix W. und Eric Kaden als Referenten. Alle vier waren Medienberichten zufolge in der HDJ aktiv: Laurens Nothdurft etwa als </span><a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-06/compact-verbot-gerichtsverhandlung-bundesverwaltungsgericht-leipzig-elsaesser-nothdurft-afd/seite-2"><span>zweiter Bundesf&#252;hrer der HDJ</span></a><span>, Harr als Leiter der </span><a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/rechtsextremer-aktivist-job-afd-geschaeftsstelle-siegmund-102,afd-1198.html"><span>Abteilung Beschaffung</span></a><span>.</span></p><p><span>Die mediale Auseinandersetzung kreist bislang vor allem um drei Fragen: Was wusste Ulrich Siegmund? Wie wichtig sind die Personen mit HDJ-Vergangenheit? Und wie verhalten sie sich heute dazu? Diese Fragen sind relevant. Doch ein wesentlicher Aspekt bleibt in der Auseinandersetzung unterbelichtet: Die HDJ war nicht irgendeine Organisation, bei der man eben einmal dabei war. Ein Blick auf ihr Selbstverst&#228;ndnis zeigt, dass sie ausdr&#252;cklich Kader f&#252;r die Zukunft heranbilden wollte. Und die Verbindung, die sie zwischen diesen Kadern schaffen wollte, sollte ausdr&#252;cklich ein Leben lang halten.</span></p><h3><strong><span>Das Vorbild: die Hitlerjugend</span></strong></h3><p><span>Die Geschichte der HDJ reicht bis Anfang der 1990er Jahre zur&#252;ck. Damals ging sie aus einer Spaltung des Bundes Heimattreuer Jugend (BHJ) hervor, wie Gideon Botsch gegen&#252;ber </span><em><span>&#220;ber Rechts</span></em><span> erkl&#228;rt. Botsch ist au&#223;erplanm&#228;&#223;iger Professor f&#252;r Politikwissenschaft an der Universit&#228;t Potsdam und Leiter der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam. Nach der Spaltung bestand ein im Vergleich gem&#228;&#223;igterer Fl&#252;gel unter dem Namen </span><em><span>Der Freibund</span></em><span> fort. Er orientierte sich st&#228;rker an der klassischen Tradition der B&#252;ndischen Jugend aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus. Der radikalere Teil organisierte sich ab 1990 als </span><em><span>Die Heimattreue Jugend</span></em><span> (DHJ), seit 2001 als </span><em><span>Heimattreue Deutsche Jugend</span></em><span> (HDJ).</span></p><p><span>Die Spaltung zeigte sich sogar in der &#196;sthetik &#8211; etwa an der Farbe der Zelte. Der sp&#228;ter als </span><em><span>Freibund</span></em><span> firmierende Fl&#252;gel kn&#252;pfte mit seinen Schwarzzelten an die Jugendbewegung an; die HDJ verwendete dagegen eher wei&#223;e Zelte &#8211; und damit jene Zeltfarbe, die auch die Hitlerjugend nutzte. &#8222;Die &#228;u&#223;ere Form der Lager wollte bewusst an die HJ erinnern, die wei&#223;en Zeltreihen trugen dazu bei&#8220;, so Botsch.</span></p><p><span>Um die Jahrtausendwende entwickelte sich die HDJ zu einer zentralen Organisation f&#252;r die Kaderbildung des &#228;u&#223;ersten rechten Randes. Sie &#252;bernahm damit eine Funktion, die zuvor die 1994 verbotene Wiking-Jugend erf&#252;llt hatte. &#8222;Als Sozialisationsinstanz f&#252;r den inneren Kern des v&#246;lkisch-antisemitischen, NS-orientierten rechtsextremen Milieus in Deutschland war es ihr zentrales Ziel, Kinder und Jugendliche zum Dienst an Volk und Volksgemeinschaft zu erziehen&#8220;, sagt Botsch.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Abonniere <em>&#220;ber Rechts</em>, um in Zukunft keinen Beitrag zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>In den Jahren 2007 und 2008 r&#252;ckte die HDJ ins Zentrum der &#214;ffentlichkeit. Recherchen der Journalistin Andrea R&#246;pke machten deutlich, worum es sich bei der Organisation handelte: &#8222;Heimliche Treffen mit Hitlergr&#252;&#223;en. 6-10-J&#228;hrige &#252;ben das Strammstehen, werden auf Gehorsam und F&#252;hrerprinzip getrimmt&#8220;, hie&#223; es 2007 in einem </span><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2007/Ferienlager-im-Fuehrerbunker-Nazi-Schulungen-fuer-Kinder,erste4752.html"><span>Panorama-Beitrag</span></a><span>. Gezeigt wurde Manfred B&#246;rm, ein fr&#252;herer Funktion&#228;r der sp&#228;ter verbotenen Wiking-Jugend. Ende der 1970er Jahre beteiligte er sich an einem &#220;berfall auf ein Biwak niederl&#228;ndischer NATO-Soldaten; 1979 wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt. Sp&#228;ter schulte er bei der HDJ den Nachwuchs.</span></p><h3><strong><span>Warum die HDJ 2009 verboten wurde</span></strong></h3><p><span>Im M&#228;rz 2009 verbot dann das Bundesinnenministerium die HDJ. Die Begr&#252;ndung der Verf&#252;gung hat es in sich. Die Journalistin Andrea R&#246;pke, die sich seit vielen Jahren intensiv mit dem neonazistischen Milieu besch&#228;ftigt, </span><a href="https://antifainfoblatt.de/aib83/das-verbot-der-hdj"><span>schrieb damals</span></a><span> auf Grundlage der Verbotsverf&#252;gung:</span></p><blockquote><p><span>&#8222;Ausdr&#252;cklich wird in der Verf&#252;gung auf die Glorifizierung von Adolf Hitler, die W&#252;rdigung der Waffen-SS &#8218;als Verpflichtung&#8216;, auf Tests zur Rassenkunde, sowie die Verwendung von antisemitischen NS-Kinderb&#252;chern [&#8230;] eingegangen. Die HDJ wolle &#8218;nationalpolitische Kadergruppen&#8216; aufbauen, die &#8218;nach dem F&#252;hrerprinzip geleitet werden&#8216;. [&#8230;] Es habe F&#252;hrerhandb&#252;cher und F&#252;hrerbriefe gegeben, Veranstaltungsr&#228;ume seien mit der B&#252;ste von Adolf Hitler und der Hakenkreuzfahne geschm&#252;ckt worden.&#8220;</span></p></blockquote><p><span>Die neonazistische Ideologie sollte dabei mit aller Vehemenz verbreitet werden. Jugendliche seien etwa aufgefordert worden, &#8222;in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf mit Ehrgeiz und Ausdauer entscheidende Positionen zu besetzen&#8220;. Das ist ein wichtiger Aspekt, der heute oft &#252;bersehen wird: Die HDJ war nicht einfach nur eine Neonazi-Organisation unter vielen. Sie wollte keinen Naturschutzpark f&#252;r Neonazis schaffen, sondern Kader heranbilden, die nach ihrer politischen und weltanschaulichen Formung hinaus in die Gesellschaft gehen und dort Wirkung entfalten sollten.</span></p><h3><strong><span>Wie das Bundesverwaltungsgericht das HDJ-Verbot best&#228;tigte</span></strong></h3><p><span>Das Bundesverwaltungsgericht best&#228;tigte sp&#228;ter das Verbot, nachdem die HDJ dagegen geklagt hatte. Das Gericht </span><a href="https://ssl.bverwg.de/010910U6A4.09.0"><span>stellte unmissverst&#228;ndlich fest</span></a><span>, dass es sich bei der HDJ um einen verfassungswidrigen Verein handelt, &#8222;weil er nach seiner Programmatik, seiner Vorstellungswelt und seinem Gesamtstil eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus, insbesondere mit der fr&#252;heren Hitlerjugend als einer Teilorganisation der ehemaligen NSDAP aufweist&#8220;.</span></p><p><span>Nach Auffassung der Richter propagierte die HDJ eine Vorbildfunktion des Nationalsozialismus und offenbarte dabei eine &#8222;der Wiedererrichtung der nationalsozialistischen Herrschaft verhaftete Vorstellungswelt&#8220;. So wurde der 30. Januar 1933 in der Vereinszeitschrift als &#8222;Ausgangspunkt einer der gr&#246;&#223;ten Wendungen, die die Geschichte des deutschen Volkes kennt&#8220; beschrieben.</span></p><h3><strong><span>Kaderbildung statt Freizeitprogramm</span></strong></h3><p><span>Die HDJ war also keine Jugendorganisation mit einem lediglich problematischen extrem rechten Fl&#252;gel. Die nationalsozialistische Orientierung bildete vielmehr ihren Kern. Ihr wichtigstes politisches Instrument war die Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Sie sollten nicht blo&#223; von bestimmten politischen Positionen &#252;berzeugt werden. Ausgestattet mit einem entsprechenden Geschichtsbild, Vorstellungen von Volk und &#8222;Volksgemeinschaft&#8220;, Hierarchie und politischer Pflichterf&#252;llung sollten sie zu Kadern geformt werden.</span></p><p><span>Darauf verweist Andrea R&#246;pke gegen&#252;ber </span><em><span>&#220;ber Rechts</span></em><span>. Die Journalistin beobachtet die extreme Rechte und insbesondere das v&#246;lkische Milieu seit Jahrzehnten. &#8222;Die V&#246;lkischen bilden den elit&#228;ren Kern des Rechtsextremismus in Deutschland. Eine Organisation wie die HDJ war insbesondere f&#252;r den Neonazismus eine entscheidende Kaderschmiede.&#8220; Im Vergleich mit anderen extrem rechten Organisationen, die Kinder und Jugendliche ausbildeten, sei die HDJ aber besonders aggressiv vorgegangen, so R&#246;pke. Die Journalistin hat das mehrfach am eigenen Leib erfahren: Als sie Mitte der 2000er Jahre intensiv zur HDJ recherchierte, geriet sie ins Visier der Organisation. 2006 griff der damalige HDJ-Bundesf&#252;hrer Sebastian R&#228;biger R&#246;pke und ihren Fotokollegen bei einer Recherche an; R&#246;pke wurde ins Gesicht geschlagen, R&#228;biger sp&#228;ter wegen gef&#228;hrlicher K&#246;rperverletzung verurteilt.</span></p><p><span>Die gemeinsamen Lager, Fahrten und Heimabende waren also mehr als blo&#223;es Freizeitprogramm f&#252;r Kinder neonazistisch gesinnter Eltern. Die HDJ war Teil einer umfassenden politischen Sozialisation: Wer dort geschult wurde, sollte gerade nicht dauerhaft in einem abgeschotteten neonazistischen Milieu verbleiben. Die neonazistische Elite sollte &#252;ber die eigene Organisation hinaus in die Gesellschaft hineinwirken.</span></p><h3><strong><span>Kampf f&#252;r einen &#8222;Volksstaat&#8220;</span></strong></h3><p><span>Wer in solchen Strukturen organisiert war, verschrieb sich ihnen zumindest ihrem eigenen Anspruch nach nicht nur f&#252;r die Dauer der eigenen Mitgliedschaft oder der Teilnahme an Lagern. Es ging um einen generations&#252;bergreifenden Kampf f&#252;r einen anderen Staat.</span></p><p><span>In einem </span><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2008/-,panorama13888.html"><span>2008 ausgestrahlten </span></a><em><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2008/-,panorama13888.html"><span>Panorama</span></a></em><a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2008/-,panorama13888.html"><span>-Beitrag</span></a><span> sind bemerkenswerte Ausz&#252;ge einer Rede bei einer von der HDJ mitorganisierten Veranstaltung dokumentiert. Unmissverst&#228;ndlich sagt der Redner dem Staat den Kampf an: Es gehe darum, dem Volk zu zeigen, dass dieses System keine Fehler hat, sondern das System selbst der Fehler sei. Und weiter: &#8222;Wir sind angetreten, um dieses System abzuschaffen und durch einen freien deutschen Volksstaat zu ersetzen.&#8220;</span></p><p><span>Diese Rede kam offenbar gut an bei der HDJ: Die Vereinszeitung der HDJ, der </span><em><span>Funkenflug</span></em><span>, berichtete sehr wohlwollend. Dort hei&#223;t es, der Redner habe &#8222;die G&#228;ste mit seinen Worten in den Bann&#8220; gezogen. Am Ende sei niemand im Saal gewesen, &#8222;der nicht eingeschworen war auf die gewaltigen Aufgaben, die vor uns liegen&#8220;.</span></p><p><span>Zur Bew&#228;ltigung dieser gewaltigen Aufgaben braucht es eine Gemeinschaft. Hier kn&#252;pfte die HDJ Botsch zufolge an das Bild an, das Heinrich Himmler von der SS entworfen hatte: &#8222;als ein nationalsozialistischer, soldatischer Orden nordisch bestimmter M&#228;nner und als eine geschworene Gemeinschaft ihrer Sippen&#8220;, wie es Himmler formulierte.</span></p><p><span>Was aus den einstigen HDJ-Mitgliedern nach dem Verbot ihrer Organisation wurde, l&#228;sst sich nicht vollst&#228;ndig erfassen. Botsch h&#228;lt viele Varianten f&#252;r denkbar: von einer radikalen Abkehr &#252;ber den R&#252;ckzug ins Private bis zur Fortsetzung des politischen Engagements in anderen Zusammenh&#228;ngen. Es gebe aber auch Hinweise darauf, dass fr&#252;here HDJ-Aktivisten ihre Arbeit in neu gegr&#252;ndeten Gruppen oder in anderen v&#246;lkischen Strukturen fortsetzten, darunter auch in der inzwischen ebenfalls verbotenen Artgemeinschaft.</span></p><h3><strong><span>Fr&#252;hes Interesse an der AfD</span></strong></h3><p><span>Aber auch die AfD scheint fr&#252;h das Interesse ehemaliger HDJ-Kader geweckt zu haben. Dass die HDJ seit Einf&#252;hrung der Unvereinbarkeitsliste im Jahr 2015 darauf gef&#252;hrt wird, hinderte mehrere einstige Kader nicht daran, f&#252;r die Partei zu arbeiten oder AfD-Mitglied zu werden: Felix W. arbeitete ab 2015 zun&#228;chst f&#252;r die AfD-Landtagsfraktion Brandenburg und wechselte sp&#228;ter nach Sachsen-Anhalt. Patrick Harr kam 2017 zur AfD in Sachsen-Anhalt. Im selben Jahr begann Nothdurft seine T&#228;tigkeit f&#252;r die AfD-Fraktion in Baden-W&#252;rttemberg, bevor er nach Magdeburg wechselte. Eric Kaden kam 2022 als Mitarbeiter zur Fraktion in Sachsen-Anhalt. Heute arbeiten alle vier f&#252;r die AfD in Sachsen-Anhalt. Die Liste betrifft allerdings in erster Linie die Parteimitgliedschaft und nicht unmittelbar Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse bei Partei und Fraktion.</span></p><p><span>Botsch geht davon aus, dass ehemalige HDJ-Aktivisten die AfD gezielt als politisches Projekt w&#228;hlten, um neue M&#246;glichkeiten der Einflussnahme auszuloten und zu entwickeln. &#8222;Dieses Personenpotenzial ist erfahren, ideologisch gefestigt, gut vernetzt und war so in der Lage, zu einem wichtigen Faktor der Radikalisierung der AfD zu werden.&#8220;</span></p><p><span>Das bedeutet selbstverst&#228;ndlich nicht, dass bei jedem fr&#252;heren HDJ-Mitglied eine bruchlose Linie von der Jugendorganisation bis zur heutigen AfD unterstellt werden kann. Menschen ver&#228;ndern sich, mit dem Alter verschieben sich lebensweltliche Priorit&#228;ten, politische &#220;berzeugungen k&#246;nnen sich abschw&#228;chen oder grunds&#228;tzlich wandeln. &#8222;Aber&#8220;, so Botsch, &#8222;wir m&#252;ssen davon ausgehen, dass die fr&#252;he nationalsozialistische und v&#246;lkische Pr&#228;gung in diesem Verband weiterwirkt&#8220;.</span></p><p><span>Was die Akteure selbst dazu sagen, ist nicht leicht herauszubekommen. Laurens Nothdurft lie&#223; bereits </span><a href="https://taz.de/Voelkische-Gruppe-indoktriniert-Kinder/%216186647/"><span>im Juni gegen&#252;ber der taz</span></a><span> &#252;ber seinen Anwalt mitteilen, dass er sich von nationalsozialistischem Gedankengut distanziere. Auf die Frage, ob sich seine Einstellung seit seiner Zeit in der HDJ ver&#228;ndert habe, habe Nothdurft </span><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6a8c16d06d71b45dbda0f64f/afd-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-und-seine-hintermaenner.html"><span>laut Medienberichten geantwortet</span></a><span>, er habe sich nichts vorzuwerfen. Auch AfD-Pressesprecher Patrick Harr sagte </span><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6a8c16d06d71b45dbda0f64f/afd-in-sachsen-anhalt-ulrich-siegmund-und-seine-hintermaenner.html"><span>gegen&#252;ber WELT</span></a><span>, er sei mit Blick auf seine Vergangenheit bei der HDJ mit sich im Reinen. Eine Anfrage von </span><em><span>&#220;ber Rechts</span></em><span> lie&#223; die AfD Sachsen-Anhalt unbeantwortet.</span></p><p><span>Die HDJ bereitete Jugendliche darauf vor, als k&#252;nftige Elite f&#252;r den Erhalt der &#8222;Volksgemeinschaft&#8220; zu k&#228;mpfen und gesellschaftlich wirksam zu werden. In Sachsen-Anhalt sind die personellen Kontinuit&#228;ten heute besonders auff&#228;llig: Vier ehemalige HDJ-Funktion&#228;re arbeiten in wichtigen Positionen f&#252;r die AfD. Das beweist keine bruchlose ideologische Kontinuit&#228;t. Diese personelle Kontinuit&#228;t entspricht jedoch auff&#228;llig dem damaligen Kaderanspruch der verbotenen Neonazi-Organisation. Ausgerechnet in diesem Umfeld inszeniert sich Ulrich Siegmund als moderner und bis in die gesellschaftliche Mitte anschlussf&#228;higer Kandidat.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der radikale Denker hinter Ulrich Siegmund | Hans-Thomas Tillschneider: Kulturpolitik (Kaderschmiede)]]></title><description><![CDATA[Hans-Thomas Tillschneider liefert die philosophische Begr&#252;ndung f&#252;r die Kulturpolitik der AfD. Wie radikal ist sein Kulturbegriff? Was w&#252;rde Sachsen-Anhalt bl&#252;hen, sollte die AfD an die Macht kommen?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/hans-thomas-tillschneider-kulturpolitik-wie-es-ist-deutsch-zu-sein</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/hans-thomas-tillschneider-kulturpolitik-wie-es-ist-deutsch-zu-sein</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 29 Aug 2026 15:47:35 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/213241737/5119727157ffcb12384f04c5ec2110b2.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r die meisten Parteien ist Kulturpolitik ein Nebenschauplatz. Nicht so f&#252;r Hans-Thomas Tillschneider. Der kulturpolitischer Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt und einer der ma&#223;geblichen Autoren des AfD-Wahlprogramms erkl&#228;rt in seinem kurz vor der Landtagswahl ver&#246;ffentlichten Buch, warum das so ist. Es geht ihm um weit mehr als Theaterf&#246;rderung, Museen oder Denkmalschutz. </p><p>Tillschneider entwirft einen allumfassenden-allunterscheidenden Kulturbegriff, nach dem nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens Kultur sind. Im Zentrum steht dabei die Nationalkultur: Sie sei die Grundlage daf&#252;r, &#252;berhaupt zu sich selbst zu finden. Mit Arnold Gehlen, Ferdinand de Saussure und vor allem Martin Heidegger versucht Tillschneider, diesem Nationalismus eine philosophische Letztbegr&#252;ndung zu geben.</p><p>Wir diskutieren, was hinter diesem Kulturbegriff steckt und warum Tillschneiders Vorstellungen teilweise noch radikaler ausfallen als vieles, was wir bislang aus der Neuen Rechten gelesen haben. Kultu&#8230;</p>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/hans-thomas-tillschneider-kulturpolitik-wie-es-ist-deutsch-zu-sein">
              Read more
          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Rechte Streamer: Die riskanten Helfer der AfD]]></title><description><![CDATA[Um die AfD ist ein ganzes Netzwerk rechter Streamer entstanden, die die Botschaft der Partei multiplizieren. Das ist kein Zufall.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/rechte-streamer-die-riskanten-helfer</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/rechte-streamer-die-riskanten-helfer</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 26 Aug 2026 05:06:31 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/d11037ca-8e68-425a-97cf-c973d2e508ec_3600x1890.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>&#220;berraschend ist eigentlich nur, dass es so lange gut gegangen ist. Seit der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt in seine hei&#223;e Phase getreten ist, absolviert der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund fast jeden Tag mehrere Wahlkampftermine. Verfolgen kann man das, vom Familienfest &#252;ber die Simsonausfahrt bis zur Signierstunde am Marktplatzstand, nicht nur in Sachsen-Anhalt. Man kann es auch fast l&#252;ckenlos online live mitverfolgen.</span></p><p><span>Verschiedene Aktivisten streamen n&#228;mlich fast jede Veranstaltung auf ihren Kan&#228;len. Sie hei&#223;en </span><em><span>Utopia TV</span></em><span>, </span><em><span>Weichreite TV</span></em><span> oder </span><em><span>Aktivist Mann</span></em><span>. Mit Ausschnitten aus ihren Videos erreichen sie teilweise hunderttausende Klicks. Die einzelnen Streams erreichen mehrere zehntausend Zuschauer. Mit ihnen hat sich die AfD eine Form der Medienarbeit aufgebaut, die umso besser funktioniert, je weniger sie offiziell mit ihr zu tun hat. Und trotzdem ger&#228;t das Modell gerade ins Wanken.</span></p><p><span>Unangenehme Aufmerksamkeit erh&#228;lt vor allem Matth&#228;us Westfal, der seit mehreren Jahren den Kanal </span><em><span>Aktivist Mann</span></em><span> betreibt. In der Vergangenheit fiel er vor allem auf, als er sich 2020 auf den Stufen des Reichstags als &#8222;Journalist&#8220; ausgab und wenig sp&#228;ter den wegen Holocaustleugnung verurteilten Nikolai Nerling begr&#252;&#223;te. Rechtskr&#228;ftig verurteilt wurde er sp&#228;ter wegen Volksverhetzung, weil er einen Link zu einem antisemitischen NS-Propagandafilm verbreitet hatte.</span></p><p><span>In diesem Wahlkampf begleitet er Ulrich Siegmund, der ihn </span><a href="https://x.com/ben_brechtken/status/2091817532206256392?s=20"><span>daf&#252;r auch &#246;ffentlich immer wieder lobt</span></a><span>, bei fast jedem Termin. Besonderen Gefallen findet er offenbar daran, Journalisten und Medienvertreter bei ihrer Arbeit zu behindern. Meist geschieht das durch andauerndes und lautstarkes Beschimpfen, gelegentlich aber auch durch K&#246;rpereinsatz. Ein Video, in dem er einem Reporter von </span><em><span>Spiegel TV </span></em><span>einen Schultersto&#223; gibt, ging viral.</span></p><div class="twitter-embed" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://x.com/HasnainKazim/status/2091201667442045247&quot;,&quot;full_text&quot;:&quot;Man kann, darf, soll Journalisten und Medien kritisieren. Aber wenn man das so tut und wenn solche Typen glauben, sie seien &#8222;das deutsche Volk&#8220;, ist dieses Land im Eimer. Wir brauchen sicherlich Ver&#228;nderung und Kurskorrekturen. Was wir nicht brauchen, sind solche Hohlbratzen. &quot;,&quot;username&quot;:&quot;HasnainKazim&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Hasnain Kazim&quot;,&quot;profile_image_url&quot;:&quot;https://pbs.substack.com/profile_images/2085379409444282368/qOsNZQcE_normal.jpg&quot;,&quot;date&quot;:&quot;2026-08-22T16:31:44.000Z&quot;,&quot;photos&quot;:[{&quot;img_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!grlh!,w_1028,c_limit,f_auto,q_auto:best,fl_progressive:steep/l_play_button_usfui2,w_88,e_colorize:0/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F__ss-rehost__tw-video-preview-13_2091201613348110337.jpg&quot;,&quot;link_url&quot;:&quot;https://t.co/IiE2gydG3d&quot;}],&quot;quoted_tweet&quot;:{},&quot;reply_count&quot;:834,&quot;retweet_count&quot;:839,&quot;like_count&quot;:4966,&quot;impression_count&quot;:1173646,&quot;expanded_url&quot;:null,&quot;video_url&quot;:&quot;https://video.twimg.com/amplify_video/2091201613348110337/vid/avc1/1280x720/3MekX97sTDxH1Jvp.mp4&quot;,&quot;video_preview_media_key&quot;:&quot;13_2091201613348110337&quot;,&quot;belowTheFold&quot;:false}" data-component-name="Twitter2ToDOM"></div><h3><strong><span>Kritik an den Streamern kommt auch von rechts</span></strong></h3><p><span>Sein Auftreten betrachten selbst einige in der rechten Bewegung kritisch &#8211; zu r&#252;pelhaft, zu wenig anschlussf&#228;hig wirkt er in einem Wahlkampf, in dem man mit Ulrich Siegmund eigentlich schon einen charismatischen Dauerstrahler gefunden hat. W&#228;hrend sich die Partei zunehmend staatstragend geben will, geht Westfal nicht nur mit seinem K&#246;rpereinsatz gegen Journalisten viral, sondern auch mit seiner R&#252;ckfrage, als ein linker Streamer fragt, ob es den Holocaust gab: &#8222;Bist Du Jude?&#8220;</span></p><p><span>Die Frage nach Westfals Verh&#228;ltnis zum Holocaust ist nicht unberechtigt: In der Vergangenheit solidarisierte sich Westfal mit der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck. Ein wenig hat er aber dazugelernt: In mehreren Vorf&#228;llen, in denen sich AfD-Anh&#228;nger als Fans von Hitler zeigten, reagierte er demonstrativ emp&#246;rt und stufte die Aussagen seiner Gespr&#228;chspartner f&#252;r seine Zuschauer (und die Justiz) als blo&#223;e Satire ein. Wenn solche Videos aber die eigene Bubble verlassen, ist man mit dem Eindruck, den sie hinterlassen, nicht zufrieden. Hans-Thomas Tillschneider, der als Kopf hinter Siegmund gilt, schrieb etwa auf X in Bezug auf Westfal, er &#8222;finde den auch unm&#246;glich&#8220;. Den Post l&#246;schte er sp&#228;ter.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">Jetzt <em>&#220;ber Rechts </em>abonnieren, um in Zukunft keinen Beitrag zu verpassen.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div><p><span>Partei und Influencer-Aktivisten profitieren stark voneinander. Die Partei profitiert von der Reichweite, die ihr Influencer und Streamer verschaffen. Ein Tag am Wahlkampfstand in einer ostdeutschen Kleinstadt erreicht pl&#246;tzlich nicht nur einige hundert, sondern zehntausende Menschen. Andererseits k&#246;nnten die Influencer kaum ohne die starke Partei funktionieren. Sie profitieren von der N&#228;he zu Spitzenpolitikern, von exklusiven Interviews und endlosen Inhalten.</span></p><h3><strong><span>Rechte Medien gab es schon immer</span></strong></h3><p><span>Wer fr&#252;her eine rechte Gegen&#246;ffentlichkeit mit einigerma&#223;en gro&#223;er Reichweite aufbauen wollte, brauchte daf&#252;r meist viel Kapital und eine entsprechende redaktionelle Infrastruktur. Die </span><em><span>National-Zeitung</span></em><span> des Multimillion&#228;rs Gerhard Frey ist daf&#252;r ein klassisches Beispiel. Es gibt auch heute noch den Versuch, auf diese Weise Einfluss zu nehmen, etwa mit dem Medium </span><em><span>NIUS</span></em><span>. Finanzier Frank Gotthardt hat, wie er k&#252;rzlich best&#228;tigte, rund 40 Millionen Euro in das Portal gesteckt und allein 2024 einen Verlust von 16 Millionen Euro eingefahren. Er l&#228;sst sich sein Engagement also derzeit mehr als eine Million Euro im Monat kosten. Der Zugang, den solches Kapital kauft, bleibt eher im Hintergrund, aber es gibt ihn. Gegen&#252;ber der </span><em><span>Zeit </span></em><a href="https://www.zeit.de/2026/36/frank-gotthardt-nius-julian-reichelt-compugroup-medical/komplettansicht"><span>berichtete Gotthardt etwa k&#252;rzlich</span></a><span>, dass Friedrich Merz vor seiner Kanzlerschaft mit einem kleinen &#8222;Sportreiseflugzeug&#8220; zu ihm geflogen sei, um ein vertrauliches Gespr&#228;ch zu f&#252;hren.</span></p><p><span>Solche zentral finanzierten Medienprojekte haben allerdings klare Eigentums- und Entscheidungsstrukturen. Bei NIUS etwa l&#228;sst sich sehen, dass einige Themen (insbesondere Kritik an der transatlantischen Rechten)</span><strong><span> </span></strong><span>trotz der behaupteten Meinungspluralit&#228;t kaum abgebildet werden. Genau das wird </span><a href="https://www.freilich-magazin.com/politik/shlomo-gegen-reichelt-warum-der-nius-kurs-der-rechten-schade"><span>auch innerhalb der Rechten immer wieder kritisiert</span></a><span>. Gotthardt selbst </span><a href="https://www.zeit.de/2026/36/frank-gotthardt-nius-julian-reichelt-compugroup-medical/komplettansicht"><span>gibt zu</span></a><span>, dass er Chefredakteur Julian Reichelt gelegentlich wissen lasse, wenn ihm etwas an der Berichterstattung nicht passt. Es gibt ihn also noch, den Versuch, &#252;ber gro&#223;e, von Unternehmern subventionierte Medienprojekte politischen Einfluss zu nehmen.</span></p><p><span>Doch die AfD hat, anders als der etablierte Konservatismus, fr&#252;h (und verst&#228;rkt seit den Corona-Protesten) vor allem auf Einzelfiguren gesetzt, die nah an der Partei, ihr aber nicht unterstellt sind. Auch Matth&#228;us Westfal alias &#8222;Aktivist Mann&#8220; steht nach Siegmunds eigener Aussage auf keiner Gehaltsliste der Partei, ebenso wenig wie der zweite Dauerbegleiter seines Wahlkampfs, der Kanal &#8222;Utopia TV&#8220;. Parallel dazu versucht die AfD, ihre Beziehungen zu Influencern st&#228;rker zu professionalisieren.</span></p><p><span>Wie professionell der Umgang mit ihnen abl&#228;uft, l&#228;sst zum Beispiel </span><a href="https://archive.is/Umwlr"><span>eine Stellenausschreibung der AfD-Fraktion im Bundestag</span></a><span> aus dem Fr&#252;hjahr erahnen: Die Fraktion sucht aktuell einen Influencer-Manager. Zu dessen Aufgaben z&#228;hlen unter anderem der Aufbau und die Pflege der Influencer-Datenbank der Fraktion sowie die &#8222;Kontaktaufnahme und Korrespondenz mit relevanten Influencern&#8220;, aufbereitet in Briefings und Content-Ideen, aber auch die Erstellung und Verwaltung von Mustervertr&#228;gen f&#252;r die Zusammenarbeit mit Influencern sowie das Budgetmanagement f&#252;r Influencer-Marketing-Kampagnen. Die Ausschreibung zeigt, dass die AfD offenbar stark darum bem&#252;ht ist, die Beziehungen zu Influencern zu professionalisieren, sie gegebenenfalls auch vertraglich zu binden.</span></p><h3><strong><span>N&#228;he ohne volle Kontrolle</span></strong></h3><p><span>Genau so versucht man, das Beste aus einer grunds&#228;tzlich widerspr&#252;chlichen Funktion zu machen. Denn einerseits sind die Influencer-Aktivisten f&#252;r die Partei Gold wert. Man muss sie kaum bis gar nicht bezahlen, trotzdem sichern sie enorme Aufmerksamkeit und liefern Content am laufenden Band. Ein &#8222;Gonzo-Journalist&#8220; ohne Vertrag bleibt dagegen offiziell nur ein B&#252;rger mit eigener Meinung: F&#252;r seine Videos muss niemand geradestehen, seine Reichweite zahlt trotzdem in Siegmunds Kampagne ein. Die AfD bekommt so einen Kombattanten, der aggressiver auftreten darf als jeder eigene Funktion&#228;r.</span></p><p><span>Wie der Fall Westfal zeigt, ist aber gerade die Unabh&#228;ngigkeit, die einen Streamer wie &#8222;Aktivist Mann&#8220; f&#252;r die Partei so billig macht, gleichzeitig der Grund, warum sie ihn im Ernstfall nicht belangen kann. Sie muss es aber auch nicht. Diese Form gesteuerter Unabh&#228;ngigkeit funktioniert eben in beide Richtungen: Sie verschafft der Partei die Kontrolle &#252;ber die Botschaft und gleichzeitig die Freiheit, f&#252;r ihre Boten nicht verantwortlich sein zu m&#252;ssen.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Siegmund-Faktor: Wie wichtig ist der Spitzenkandidat?]]></title><description><![CDATA[F&#252;r die einen ist er der &#8222;gef&#228;hrlichste Mann Deutschlands&#8220;, f&#252;r die anderen ein Hoffnungstr&#228;ger: Ulrich Siegmund steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie wichtig ist er wirklich f&#252;r den AfD-Erfolg?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/der-siegmund-faktor-wie-wichtig-ist-der-spitzenkandidat</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/der-siegmund-faktor-wie-wichtig-ist-der-spitzenkandidat</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Fri, 21 Aug 2026 16:45:00 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/212152741/37bae4ceefc567fab283da08b9c4e4f7.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Die AfD erreicht kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aktuell Rekordwerte in den Umfragen. Entsprechend gro&#223; ist die mediale Aufmerksamkeit: Die einen widmen ihm Cover, die zwar die Verkaufszahlen anregen, aber dem Kampf gegen die AfD eher schaden d&#252;rften. Die anderen erreichen mit stundenlangen Interviews Millionen von Aufrufen. Und daneben begleiten rechte Streamer fast jeden Auftritt und sorgen daf&#252;r, dass sein Wahlkampf nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern bundesweit wirkt.</p><p>Auch wir haben bei &#220;ber Rechts in unterschiedlicher Weise berichtet: <a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus">Nils hat in einem Text anhand von Ulrich Siegmund beschrieben</a>, warum ein neuer Politiker-Typ gerade aufzutauchen scheint. Sebastian hat <a href="https://www.ueberrechts.de/p/siegmund-afd-spiegel-sachsen-anhalt">in einem Text einen kritischeren Blick auf den Spitzenkandidaten-Fokus vieler Medien geworfen</a> und bezweifelt, dass dieser ein relevanter Faktor f&#252;r den AfD-Erfolg ist.</p><p>In dieser Folge diskutieren wir eine Stunde lang, welche Rolle der Spitzenkandidat aktuell f&#252;r den Erfolg der AfD spielt und versuchen, die Differenz zwischen unseren beiden Perspektiven herauszuarbeiten. W&#228;hrend Nils ihn weiterhin als Symptom einer grunds&#228;tzlichen Verschiebung der Politik betrachtet, verteidigt Sebastian seine Kritik an der Personalisierung von Politik und pl&#228;diert daf&#252;r, den Erfolg etwas differenzierter zu betrachten.</p><p>Dies ist eine von zwei Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es eine Folge, die sich mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Warum Ulrich Siegmund größer gemacht wird, als er ist]]></title><description><![CDATA[F&#252;r die einen ist Ulrich Siegmund ein charismatischer Hoffnungstr&#228;ger, f&#252;r die anderen ein gef&#228;hrlicherer B&#246;sewicht. Gegner wie Fans &#252;bersch&#228;tzen seine Bedeutung.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/siegmund-afd-spiegel-sachsen-anhalt</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/siegmund-afd-spiegel-sachsen-anhalt</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sun, 16 Aug 2026 10:19:30 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/99b572a0-7c5e-493a-ba9d-c353ecaba9e7_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Die Titelseite des SPIEGEL macht das, wof&#252;r sie da ist: Sie regt auf. Zu sehen ist der AfD-Spitzenkandidat f&#252;r Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Darunter ist zu lesen: &#8222;Der gef&#228;hrlichste Mann Deutschlands&#8220;. Extremer geht es kaum: bestimmter Artikel, Superlativ, herausgel&#246;st aus der politischen Funktion, dazu eine &#196;sthetik, die an einen Fahndungsaufruf erinnert.</span></p><p><span>V&#246;llig aus der Luft gegriffen ist die Warnung nicht. Denn der SPIEGEL blickt in seinem durchaus informativen Text zur Titelseite hinter die Fassade des </span><a href="https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus"><span>Gute-Laune-Populisten</span></a><span> und st&#246;&#223;t in Siegmunds direktem Umfeld auf Menschen mit langer Karriere tief in der v&#246;lkischen und neonazistischen Szene. Hinzu kommt ein m&#246;gliches Novum in der Geschichte der Bundesrepublik: Siegmund k&#246;nnte in Sachsen-Anhalt tats&#228;chlich Ministerpr&#228;sident werden, sofern mehrere kleinere Parteien den Einzug in den Landtag verpassen. Er w&#228;re der j&#252;ngste Ministerpr&#228;sident aller Zeiten, vor allem aber der erste einer offen rechtsradikalen Partei.</span></p><h3><span>Die AfD bedankt sich f&#252;r die &#8222;tolle Werbeaktion&#8220;</span></h3><p><span>Man kann diesen Titel also als Warnung lesen, als Versuch, noch einmal kr&#228;ftig aufzur&#252;tteln. Doch gerade von jenen, die selbst seit Jahren vor einer AfD an der Macht warnen, kommt Kritik. Linken-Politiker Dietmar Bartsch findet das Cover skandal&#246;s. Es sei &#8222;Wahlkampfhilfe f&#252;r die AfD&#8220;, </span><a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7f0a47f14aa44f2fd5dffe/ulrich-siegmund-auf-spiegel-cover-linken-politiker-bartsch-kritisiert-nachrichtenmagazin-scharf.html"><span>sagte er gegen&#252;ber WELT</span></a><span>. Die AfD nimmt diese Lesart dankbar auf und </span><a href="https://x.com/AfD/status/2088187390598734193?s=20"><span>bedankt sich</span></a><span> &#8222;f&#252;r diese tolle Werbeaktion&#8220; und zeigt ein Foto von Siegmund, wie er Exemplare des Spiegel-Covers signiert. Siegmund </span><a href="https://x.com/UlrichSiegmund/status/2088358593976250648"><span>witzelt auf X</span></a><span>: &#8222;Wenn wir am 06.09.26 46% holen, verrate ich euch, was wir f&#252;r die Nummer im SPIEGEL bezahlt haben.&#8221;</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p><span>Drei Wochen vor der Wahl zeigt die Debatte um das SPIEGEL-Cover, wie angespannt die politische Lage ist. Die einen haben Angst vor Siegmund, die anderen sehen in ihm einen Heilsbringer. So gegens&#228;tzlich diese Reaktionen sind, teilen sie doch eine Grundannahme: Ulrich Siegmund ist eine au&#223;ergew&#246;hnliche politische Figur, die ma&#223;geblich f&#252;r die aktuelle St&#228;rke der AfD ist.</span></p><p><span>Dabei ist unbestritten, dass Siegmund einen Stil verk&#246;rpert, den man bei der AfD bislang eher selten gesehen hat: ein dauergrinsender Macher, einer, der Menschen begeistern kann, der sich ihre Namen merkt und, wie es im SPIEGEL-Text treffend beschrieben wird, einem jedes Auto andrehen k&#246;nnte. Wer ihn live erlebt, sieht nicht nur Selfie-Warteschlangen, wie es sie derzeit bei kaum einem anderen Politiker in Deutschland gibt. Man merkt auch sofort, dass hier jemand einen anderen, auf den ersten Blick massenkompatibleren Sound anschl&#228;gt als viele seiner Parteifreunde.</span></p><p><span>Und es ist wohl auch auf Siegmunds Beliebtheit zur&#252;ckzuf&#252;hren, dass seine Partei und er selbst die Verwandtenaff&#228;re, die in seinem eigenen Landesverband ihren Anfang nahm, zu Beginn des Jahres spurlos &#252;berstanden haben. Ein weniger charismatischer Politiker mit geringerer Reichweite in den sozialen Medien und einem geringeren R&#252;ckhalt im Landesverband h&#228;tte das vielleicht nicht so spurlos &#252;berstanden.</span></p><h3><span>Keine Belege f&#252;r einen &#252;berragenden Siegmund-Faktor</span></h3><p><span>Siegmund ist ein politisches Talent, aber kein &#252;berm&#228;chtiges. Viele Fans wie Gegner &#252;bersch&#228;tzen in diesen Tagen den Anteil Siegmunds an der aktuellen St&#228;rke der AfD in Sachsen-Anhalt. Die AfD steht in den Sonntagsfragen zur Landtagswahl derzeit je nach Umfrageinstitut bei 41 bis 43 Prozent. Das ist selbstredend viel. Aber wie viel davon l&#228;sst sich tats&#228;chlich Ulrich Siegmund zuschreiben?</span></p><p><span>Ein Vergleich mit der letzten Wahl in Sachsen-Anhalt l&#228;sst zumindest Zweifel am Siegmund-Faktor aufkommen. Bei der Bundestagswahl Anfang 2025 holte die AfD im Land bereits 37,1 Prozent. Sollte sie bei der Landtagswahl tats&#228;chlich auf dem Niveau der aktuellen Umfragen landen, w&#252;rde sie gegen&#252;ber der Bundestagswahl also ungef&#228;hr f&#252;nf Prozentpunkte zulegen. Das klingt zun&#228;chst nach viel, relativiert sich aber, wenn man den allgemeinen Aufw&#228;rtstrend der Partei ber&#252;cksichtigt. </span></p><p><span>Bundestagswahlergebnisse und Landtagswahlumfragen sind nicht deckungsgleich, einen Hinweis liefern die Vergleiche dennoch: Bundesweit kommt die AfD in Umfragen aktuell auf etwa 28 Prozent und damit deutlich mehr als die 20,8 Prozent bei der Bundestagswahl 2025. Anders gesagt: F&#252;r die Bundes-AfD geht es seit der Bundestagswahl sogar noch steiler nach oben als f&#252;r AfD Sachsen-Anhalt mit ihrem Spitzenkandidaten Siegmund. </span>Die verf&#252;gbaren Zahlen liefern also keine Belege daf&#252;r, dass Siegmund den entscheidenden Unterschied macht.</p><h3><span>Die St&#228;rke der AfD in Sachsen-Anhalt ist kein Sonderfall</span></h3><p><span>Neben dem Vergleich zum Bundestrend gibt es noch ein weiteres Indiz, das gegen einen herausragenden Siegmund-Faktor spricht. Die AfD Sachsen-Anhalt ist auch im Vergleich mit anderen ostdeutschen Landesverb&#228;nden kein Sonderfall. In Th&#252;ringen liegt die AfD aktuell bei 40 Prozent. In Sachsen landete die AfD bei der letzten Umfrage bei jenen 42 Prozent, bei denen die AfD auch gerade in Sachsen-Anhalt steht. Die AfD schafft es auch ohne einen supercharismatischen Gute-Laune-Populisten, in Umfragen &#252;ber die 40-Prozent-Marke zu kommen. Daf&#252;r braucht es also keinen Siegmund.</span></p><p><span>Auch bei seinen Pers&#246;nlichkeitswerten ist Siegmund zwar stark, aber keineswegs &#252;berragend. Bei einer Direktwahl des Ministerpr&#228;sidenten l&#228;ge er laut INSA nur knapp vor CDU-Kandidat und Ministerpr&#228;sident Sven Schulze. Im </span><a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landtagswahl/news-ergebnisse-landtagswahl-afd-cdu-wahlumfrage-schulze-siegmund-,wahl-umfrage-100.html"><span>Sachsen-AnhaltTREND von Ende Juli</span></a><span> zeigten sich 35 Prozent der Befragten mit Siegmunds Arbeit zufrieden, Schulze kam auf 29 Prozent.</span></p><p><span>Auch diese Zahlen lassen sich anders lesen als in der Erz&#228;hlung vom unschlagbaren AfD-Posterboy: Siegmunds pers&#246;nliche Zustimmung liegt deutlich unter den Umfragewerten seiner Partei. Bei Schulze ist es umgekehrt. Seine pers&#246;nlichen Werte liegen &#252;ber denen der CDU.</span></p><p><span>Zusammengenommen sprechen diese Zahlen gegen die Vorstellung, Siegmund sei der entscheidende Grund f&#252;r die St&#228;rke der AfD in Sachsen-Anhalt. Es ist eher umgekehrt: Siegmunds St&#228;rke speist sich zu einem erheblichen Teil aus der allgemeinen St&#228;rke seiner Partei &#8211; und besonders ihrer St&#228;rke in Ostdeutschland.</span></p><p><span>Ein geringerer Zuwachs als im Bund, Umfragewerte auf einem &#228;hnlichen Niveau wie in Th&#252;ringen und Sachsen, bei den Pers&#246;nlichkeitswerten zwar vorne, aber mit deutlich geringerem Abstand zum Konkurrenzkandidaten als zwischen AfD und CDU: Warum funktioniert die Erz&#228;hlung vom gef&#228;hrlichen, beinahe &#252;berm&#228;chtigen B&#246;sewicht Siegmund dennoch so gut?</span></p><h3><span>Personalisierung im liberalen Journalismus</span></h3><p><span>Ein Grund liegt in einer alten Logik des politischen Journalismus. Journalistinnen und Journalisten erkl&#228;ren grundlegende politische und gesellschaftliche Entwicklungen gerne &#252;ber Personen. Personalisierung geh&#246;rt zu den verbreiteten Mustern des politischen Journalismus in der b&#252;rgerlichen &#214;ffentlichkeit. F&#252;r den SPIEGEL gilt das in besonderer Weise. Gerade deshalb wirkt die aktuelle Aufregung &#252;ber das Cover ein wenig merkw&#252;rdig.</span></p><p><span>Seit seiner Gr&#252;ndung orientiert sich der SPIEGEL am US-amerikanischen </span><em><span>TIME Magazine</span></em><span>. Die von diesem etablierte typische Magazinlogik lautet: Politik muss in eine Story verpackt werden und eine gute Story braucht einen guten Protagonisten, einen Helden oder einen B&#246;sewicht. Dass der SPIEGEL genau das macht, kann man kritisieren, nur sollte es nicht &#252;berraschen.</span></p><p><span>Schon 1957</span> kritisierte etwa Hans Magnus Enzensberger diese Logik <span>in seinem ber&#252;hmten Radio-Essay </span><em><a href="https://www.spiegel.de/kultur/die-sprache-des-spiegel-a-2013630a-0002-0001-0000-000032092775"><span>Die Sprache des Spiegel</span></a></em><span>: &#8222;Das Gesetz der Story verlangt, da&#223; Geschichte zum biografischen Detail werde&#8220;, schreibt er darin. Beim SPIEGEL gebe es, &#228;hnlich wie beim TIME Magazine, die Vorstellung, Nachrichten entst&#252;nden vor allem durch Individuen und gerade nicht aus gesellschaftlichen Entwicklungen, Klassenauseinandersetzungen oder Interessengegens&#228;tzen. &#8222;Damit ist der Held gerechtfertigt; die Geschichte besteht aus Geschichtchen&#8220;, so Enzensberger.</span></p><p><span>Personalisierung und Dramatisierung, die Verdichtung vielschichtiger Entwicklungen auf eine These und, im Idealfall, auf ein einziges Bild auf dem Cover. &#8222;Der gef&#228;hrlichste Mann Deutschlands&#8220; ist nach diesen Kriterien das perfekte Cover.</span></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die Regierungsangst der AfD]]></title><description><![CDATA[In den eigenen Reihen wachsen Zweifel, ob die AfD bereit f&#252;r die Regierungsverantwortung ist. Die St&#228;rke der AfD legt ein Problem frei, das in der Opposition lange verborgen blieb.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/regierungsangst-afd-sachsen-anhalt-torben-braga</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/regierungsangst-afd-sachsen-anhalt-torben-braga</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Mon, 10 Aug 2026 13:17:37 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/c9cc934c-f556-45e9-ab70-b2c751b3eb58_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>Je n&#228;her die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt r&#252;ckt, desto m&#246;glicher erscheint das lange f&#252;r unm&#246;glich Gehaltene. Die AfD steht stabil bei etwas &#252;ber 40 Prozent. Normalerweise w&#252;rde das nicht f&#252;r eine eigene Mehrheit reichen. Doch mit SPD, Gr&#252;nen, BSW und FDP bewegen sich gleich vier Parteien in der N&#228;he der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde. Sollte keine von ihnen den Einzug in den Landtag schaffen, d&#252;rfte die AfD am Ende mehr Sitze erringen als die beiden &#252;brigen Fraktionen von CDU und Linke zusammen. Damit h&#228;tte sie eine absolute Mehrheit. Und </span><a href="https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/sachsen-anhalt.htm"><span>laut der aktuellen Umfrage von INSA</span></a><span> k&#246;nnte es sogar f&#252;r eine knappe Mehrheit der Sitze reichen, selbst wenn die SPD in den Landtag einzieht, </span>das BSW aber knapp nicht reinkommt<span>.</span></p><p><span>Eigentlich ist das eine blendende Perspektive f&#252;r die AfD, die 13 Jahre nach ihrer Gr&#252;ndung erstmals in einem Bundesland tats&#228;chlich ans Ruder kommen k&#246;nnte. Doch in diversen Hintergrundgespr&#228;chen konnte man in den vergangenen Monaten bei Akteuren aus ganz unterschiedlichen Netzwerken und weltanschaulichen Str&#246;mungen der Partei immer wieder Sorgen, teilweise sogar &#196;ngste wahrnehmen vor einer solchen Regierungs&#252;bernahme.</span></p><h3><span>&#8220;Nein, ganz eindeutig nein&#8221;</span></h3><p><span>Zum ersten Mal &#246;ffentlich waren diese Bef&#252;rchtungen k&#252;rzlich in Schnellroda, Sachsen-Anhalt zu h&#246;ren. Beim Sommerfest des Antaios-Verlags </span><a href="https://youtu.be/nk8pqNPjgeA?si=OW2ZRnVo8GXA1snB"><span>sprach unter anderem der AfD-Bundestagsabgeordnete Torben Braga</span></a><span>. Er wurde gefragt, ob die Partei &#252;ber das Personal verf&#252;ge, das n&#246;tig w&#228;re, um politische Leitungspositionen zu besetzen. Seine Antwort: &#8222;Nein, ganz eindeutig nein.&#8220;</span></p><p><span>Wolle man Regierungsverantwortung &#252;bernehmen, brauche es ein realistisches Bewusstsein dar&#252;ber, was eine Macht&#252;bernahme organisatorisch und personell bedeutet. In Th&#252;ringen, wo Braga seit fast zehn Jahren dem Landesvorstand der AfD angeh&#246;rt, habe man sich intensiv mit diesen Fragen besch&#228;ftigt. Dort sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Landespartei aus den Reihen ihrer Mitglieder und ihres unmittelbaren Unterst&#252;tzerumfelds derzeit nicht gen&#252;gend qualifiziertes Personal rekrutieren k&#246;nne, um s&#228;mtliche &#196;mter und Positionen einer Landesregierung zu besetzen. Gerade diesen Realismus h&#228;lt Braga f&#252;r einen entscheidenden Vorteil: Wer um die eigenen Grenzen wei&#223;, ist eher bereit und f&#228;hig, um Hilfe zu bitten, etwa bei benachbarten Landesverb&#228;nden oder beim Bundesverband.</span></p><h3><span>&#8220;Ich glaube nicht, dass die Partei so weit ist&#8221;</span></h3><p><span>Nach seinen Ausf&#252;hrungen &#252;ber Th&#252;ringen macht Braga eine kurze Pause und kommt auf andere Landesverb&#228;nde zu sprechen: &#8222;Wohingegen ich in anderen Bundesl&#228;ndern &#8211; ich erlaube es mir, jetzt auch ganz offen zu reden &#8211; eher nicht diese Zur&#252;ckhaltung gesp&#252;rt habe.&#8220; Von dort bekomme er h&#228;ufig die R&#252;ckmeldung: &#8222;Wir wuppen das schon.&#8220;</span></p><p><span>Braga weiter:</span></p><blockquote><p><span>&#8222;Und in Kenntnis dessen, wie die Landesverb&#228;nde teilweise aufgebaut sind, wer dort die ma&#223;geblichen Akteure sind, wie sich die Landtagsfraktionen zusammensetzen, aus denen sich ja auch eine Landesregierung m&#246;glicherweise im Wesentlichen speisen w&#252;rde, blicke ich mit gro&#223;er Sorge in die nahe Zukunft und glaube nicht, dass die Partei so weit ist, wenn ich ehrlich bin.&#8220;</span></p></blockquote><p><span>Worauf sich Braga hier bezieht, ist nicht schwer zu verstehen. In naher Zukunft stehen drei Landtagswahlen an: In Berlin hat die AfD keine realistische Aussicht auf eine Regierungs&#252;bernahme, in Mecklenburg-Vorpommern allenfalls minimale Chancen. Es liegt daher nahe, Bragas Warnung vor allem als eine in Richtung Sachsen-Anhalt zu deuten.</span></p><h3><span>Es fehlt der AfD an Kadern</span></h3><p><span>Bragas Ausf&#252;hrungen zeigen, wie ausgepr&#228;gt das Kaderproblem der AfD offenbar noch immer ist. Eine Partei, die nicht blo&#223; die Spitze einiger Ministerien austauschen, sondern Staat und Gesellschaft grundlegend ver&#228;ndern will, braucht mehr als drei Fachexperten, zwei Vordenker und einen charismatischen Spitzenkandidaten. Sie ben&#246;tigt Dutzende, wom&#246;glich Hunderte Leute, die daf&#252;r sorgen k&#246;nnen, dass der politische Wille auch auf den verschiedenen Ebenen des Staatsapparats durchgesetzt wird.</span></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p><span>Daf&#252;r m&#252;ssen bei den entsprechenden Kandidaten zwei Eigenschaften zusammenkommen: fachliche Kompetenz und politische Zuverl&#228;ssigkeit. Das eine oder das andere zu finden d&#252;rfte f&#252;r eine Partei von der Gr&#246;&#223;e der AfD kein un&#252;berwindbares Problem sein. Schwieriger wird es dort, wo beides zusammenfallen soll. Genau daf&#252;r braucht eine Partei eigene Kader. An denen mangelt es offenbar.</span></p><h3><span>Der Widerspruch zwischen Bewegungs- und Staatspartei</span></h3><p><span>Was Braga hier in Schnellroda beschreibt, ist mehr als ein blo&#223;es Personalproblem. Vielmehr verweisen seine Ausf&#252;hrungen auf den Widerspruch der AfD, der erst jetzt, da sie tats&#228;chlich an die T&#252;ren von Ministerien und Staatskanzleien klopft, in voller Sch&#228;rfe zutage kommt: den Widerspruch zwischen ihrem Anspruch, Bewegungspartei und Staatspartei sein zu wollen.</span></p><p><span>Gro&#223; geworden ist die AfD, weil sie das ohnehin immer schon vorhandene rechte Potenzial in der Gesellschaft b&#252;ndeln und zugleich um jene erweitern konnte, die aus unterschiedlichen Gr&#252;nden das Vertrauen in etablierte Institutionen verloren haben oder diese grunds&#228;tzlich ablehnen: die &#8222;Altparteien&#8220;, die Medien, die Verwaltung, Verb&#228;nde und andere Institutionen.</span></p><p><span>Doch auf viele dieser Institutionen und auf das in ihnen vorhandene Wissen w&#228;re die AfD angewiesen, sobald sie selbst staatliche Herrschaft aus&#252;ben wollte. Eine Regierung braucht erfahrene Ministerialbeamte, Juristen, Haushaltsexperten, Fachreferenten und Verwaltungspraktiker. Darunter w&#228;ren zwangsl&#228;ufig viele, die politisch ganz anders sozialisiert wurden.</span></p><p><span>Die AfD ist vielerorts mehrheitsf&#228;hig geworden und k&#246;nnte in einzelnen Fragen sogar bereits Elemente kultureller Hegemonie errungen haben. Von einer entsprechenden Verankerung auf staatlich-institutioneller Ebene ist sie jedoch noch immer weit entfernt. Parlamentarische St&#228;rke, gesellschaftliche Hegemonie und die F&#228;higkeit, einen Staatsapparat tats&#228;chlich zu f&#252;hren, sind alle drei wichtig, um ein Land von Grund auf zu ver&#228;ndern. Aber sie sind eben nicht dasselbe.</span></p><div class="subscription-widget-wrap-editor" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Abonnieren&quot;,&quot;language&quot;:&quot;de&quot;}" data-component-name="SubscribeWidgetToDOM"><div class="subscription-widget show-subscribe"><div class="preamble"><p class="cta-caption">&#220;ber Rechts ist eine von Leser unterst&#252;tzte Publikation. Um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterst&#252;tzen, ziehen Sie in Betracht, ein Free- oder Paid-Abonnent zu werden.</p></div><form class="subscription-widget-subscribe"><input type="email" class="email-input" name="email" placeholder="E-Mail-Adresse eingeben &#8230;" tabindex="-1"><input type="submit" class="button primary" value="Abonnieren"><div class="fake-input-wrapper"><div class="fake-input"></div><div class="fake-button"></div></div></form></div></div>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die linke Geschichte des Postliberalismus]]></title><description><![CDATA[Der Postliberalismus gilt als Projekt der Rechten. Doch die Diagnose kommt urspr&#252;nglich aus der britischen Linken. Sie k&#246;nnte auch heute noch helfen, den Liberalismus besser zu verstehen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/die-linke-geschichte-des-postliberalismus</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/die-linke-geschichte-des-postliberalismus</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Fri, 07 Aug 2026 09:30:40 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/4705077a-0292-4f37-8ad8-7a3e3dbe6638_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wer den US-amerikanischen Vizepr&#228;sidenten JD Vance nur aus den deutschen Medien kennt, d&#252;rfte &#252;berrascht sein, wenn er dessen neues Buch <em>Communion</em> liest. Von dem &#8222;Nationalismus, der Blut-und-Boden-Ankl&#228;nge hat&#8220; (<a href="https://www.blaetter.de/ausgabe/2024/september/klassenkaempfer-jd-vance"><span>Bl&#228;tter</span></a>) findet man darin wenig. Man begegnet eher einem nachdenklichen Erz&#228;hler, den es umtreibt, dass seine Studienfreunde alle um die gleichen sinnlosen Consultingjobs konkurrieren, und der nicht versteht, warum seine konservativen Freunde das Recht auf Abtreibung zu ihrem Hauptthema machen, wenn sie sich anschlie&#223;end nicht f&#252;r die Bedingungen interessieren, unter denen diese geretteten Leben stattfinden werden. <em>Communion</em> ist, bei aller Kritik an seinen blinden Flecken, ein intellektuell ernsthaftes Buch. &#220;ber manche Fragen, etwa die brutale Migrationspolitik seiner eigenen Regierung, geht der Autor schneller hinweg, als es angemessen w&#228;re. Vor allem aber skizziert es, wie Vance die MAGA-Koalition nach dem Ende von Trumps zweiter Amtszeit aufstellen will: als ein Projekt, das er selbst <a href="https://theconversation.com/j-d-vance-calls-himself-a-post-liberal-heres-what-that-means-for-us-government-264547">gelegentlich</a> als &#8222;Postliberalismus&#8220; bezeichnet.</p><p>Im deutschen Diskurs dient dieser Begriff meist als Warnung. Die US-amerikanische Rechte soll damit in die N&#228;he des Anti- und Illiberalismus eines Carl Schmitt oder Viktor Orb&#225;n ger&#252;ckt werden. Das ist, angesichts der autorit&#228;ren Politik der zweiten Trump-Regierung und dem positiven Bezug mancher Postliberaler auf die inzwischen abgew&#228;hlte Orb&#225;n-Regierung, nicht ganz falsch. Doch wer sich intensiver mit dem postliberalen Denken besch&#228;ftigt, merkt schnell, dass es heterodoxer ist, als es von au&#223;en scheint. Die postliberale Kritik ist kein simples &#8222;Recycling-Projekt anti-liberaler Traditionsbest&#228;nde&#8220;, wie es einmal <a href="https://www.philomag.de/artikel/anti-liberale-untote"><span>im Philosophie Magazin</span></a><span> hie&#223;</span>. Ihre Grunddiagnose ist sogar erstaunlich schwer zu widerlegen: Der Liberalismus untergr&#228;bt die Bedingungen seiner eigenen Existenz, und die Institutionen, die das bislang kompensiert haben, l&#246;sen sich in dem Ma&#223;e auf, in dem er sich entfaltet.</p><p>Vor allem aber ist es urspr&#252;nglich gar keine rechte Ideologie. Das postliberale Denken hat seinen Ursprung auf der britischen Linken, US-amerikanische Konservative haben es erst sp&#228;ter f&#252;r sich beansprucht. Um zu verstehen, wie aus der linken Kritik am real existierenden Liberalismus die intellektuelle Grundlage f&#252;r die Politik von JD Vance werden konnte, muss man deshalb zun&#228;chst nach London blicken.</p><h3>Ein konservativer Sozialismus f&#252;r Gro&#223;britannien</h3><p>Nach der Finanzkrise 2008 ger&#228;t die Labour-Partei in eine tiefe Krise. Der dritte Weg von New Labour hatte zwar Wahlen gewonnen, aber das Versprechen, Wirtschaftsliberalismus und soziale Gerechtigkeit miteinander zu verbinden, hatte sich als unhaltbar erwiesen. Sp&#228;testens nach der Niederlage bei der Unterhauswahl 2010 gilt das Projekt als gescheitert.</p><p>In dieser Zeit sammelt der Londoner Politiktheoretiker Maurice Glasman eine neue Str&#246;mung innerhalb der Partei um sich: Blue Labour sollte sie hei&#223;en. Das Programm ist in fast jeder Hinsicht das Gegenteil von New Labour. &#214;konomisch soll sich die Partei wieder am Nationalstaat orientieren und bereit sein, in die Wirtschaft einzugreifen, wenn es dem Wohl der Menschen dient. Gesellschaftspolitisch soll sie sich vom programmatischen Liberalismus l&#246;sen und f&#252;r das eintreten, was Glasman 2009 einen &#8222;zutiefst konservativen Sozialismus&#8220; nannte: eine Politik, &#8222;die Familie, Glauben und Arbeit zu ihrem Kern macht und auf Gegenseitigkeit, Gemeinschaftssinn und Solidarit&#228;t beruht.&#8220; Konservatismus und Sozialismus sollen sich gegenseitig bedingen, einander brauchen. W&#228;hrend der klassische Sozialkonservatismus F&#252;rsorge von oben organisierte, um die soziale Ordnung zu sichern und revolution&#228;re Anspr&#252;che der Arbeiterbewegung abzufangen, zielt Glasmans konservativer Sozialismus dabei aber auf die Selbstorganisation der Arbeiterklasse.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Blue Labour ist damit von Anfang an eine dezidiert britische Tradition. Sie beruft sich auf die spezifische Geschichte der Labour-Bewegung: eine Arbeiterbewegung, die &#8211; anders als die deutsche Sozialdemokratie &#8211; nie programmatisch s&#228;kular war und die Kirche, insbesondere den Methodismus, immer als mindestens so wichtigen Ansto&#223;geber betrachtete wie den Marxismus. Glasman greift vorrangig auf diese eigenwillige Tradition zur&#252;ck. </p><p>Nach und nach verbindet sich sein politischer Impuls jedoch mit einem intellektuellen Strang, der in den 1990er-Jahren innerhalb der britischen Theologie entstanden war: die <em>Radical-Orthodoxy</em>-Bewegung des Theologen John Milbank. Ohne Milbank w&#228;re Blue Labour wohl eine nostalgische Reformbewegung und zu sehr verhaftet geblieben in den Eigent&#252;mlichkeiten der britischen Arbeiterbewegung, um weit &#252;ber diese hinaus zu wirken. Durch ihn bekommt das politische Projekt aber eine philosophische Grundierung, die weit &#252;ber den Kanal und den Atlantik reichen sollte.</p><h3>Was der Postliberalismus wirklich behauptet</h3>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/die-linke-geschichte-des-postliberalismus">
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          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was Orbáns Scheitern über die Strategie der AfD verrät | Márton Békés: Nationaler Block (Kaderschmiede)]]></title><description><![CDATA[L&#228;sst sich eine dauerhafte Hegemonie von oben errichten? Oder zeigen sich gerade in diesem Ansatz die Grenzen eines rechten Gramscianismus?]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/ungarn-orban-fidesz-hegemonie-afd</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/ungarn-orban-fidesz-hegemonie-afd</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sun, 02 Aug 2026 06:36:26 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/209436206/02219b402e716b391072f26ab3abf693.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Lange galt Viktor Orb&#225;n der deutschen Rechten als gro&#223;es Vorbild. Mithilfe staatlicher Macht baute er gemeinsam mit seiner Fidesz-Partei Medien, Kultur und politische Institutionen um. Der ungarische Intellektuelle M&#225;rton B&#233;k&#233;s erkl&#228;rte 2023 in seinem Buch &#8222;Nationaler Block&#8220;, warum dieses Projekt aus seiner Sicht eine dauerhafte rechte Hegemonie geschaffen habe. Der Jungeuropa-Verlag empfahl das Buch der AfD ausdr&#252;cklich als strategische Lekt&#252;re.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ZToF!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ZToF!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ZToF!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg 848w, 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data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:738,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:12563091,&quot;alt&quot;:null,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/jpeg&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:false,&quot;topImage&quot;:true,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/i/209436206?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F330c23f9-3cce-480d-b364-fe48a19cbda2_4200x2130.jpeg&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="" 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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Dabei betreibt B&#233;k&#233;s keinen typischen Gramscianismus von rechts. Vielmehr dreht er Gramsci um, indem er gerade nicht beschreibt, wie jahrelange kulturelle Vorarbeit zur politischen Macht f&#252;hrt, sondern aufzeigt, wie erst der Wahlsieg und der Zugriff auf den Staat es erm&#246;glichten, eine gesellschaftliche Hegemonie zu organisieren.</p><p>Heute liest sich &#8222;Nati&#8230;</p>
      <p>
          <a href="https://www.ueberrechts.de/p/ungarn-orban-fidesz-hegemonie-afd">
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          </a>
      </p>
   ]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ulrich Siegmund und Zohran Mamdani: Der neue Gute-Laune-Populismus]]></title><description><![CDATA[Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt steht f&#252;r einen neuen Politiker-Typ. Wer ihn verstehen will, sollte weniger in die Geschichte schauen und mehr nach New York.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/ulrich-siegmund-zohran-mamdani-gute-laune-populismus</guid><dc:creator><![CDATA[Nils Schniederjann]]></dc:creator><pubDate>Thu, 30 Jul 2026 10:00:21 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/ad54d72a-47bb-4bc8-922e-642c4549abf0_4200x2970.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Ulrich Siegmund hat etwas, woran es der AfD seit ihrer Gr&#252;ndung mangelt: Charme. Noch immer werfen ihm manche Politiker vor, eine Partei zu vertreten, die f&#252;r &#8222;Hass und schlechte Laune&#8220; stehe, wie Katrin G&#246;ring-Eckardt am Rand des AfD-Parteitags sagte. Auf Veranstaltungen mit Siegmund erlebt man eher das Gegenteil: einen dauergrinsenden Politiker vor einer Anh&#228;ngerschaft in Feierlaune, getragen von einer zur Schau gestellten Gewissheit des nahen Sieges.</p><p>Wer sich auf eine m&#246;gliche Regierung unter seiner F&#252;hrung vorbereiten will, sollte deshalb weniger an die griesgr&#228;migen Gespenster der deutschen Geschichte denken als an einen Politiker am entgegengesetzten Ende des politischen Spektrums: den New Yorker B&#252;rgermeister Zohran Mamdani. Beide verkaufen mit ihrer Art nicht nur ein Programm, sondern ein Kernversprechen: dass Gesellschaft sich grundlegend ver&#228;ndern l&#228;sst. Das soll man schon beim blo&#223;en Anblick des Kandidaten f&#252;hlen.</p><h3><strong>Ein Verk&#228;ufer von Ideologie</strong></h3><p>Siegmund ist vor allem ein guter Vermarkter. Vor der Politik lie&#223; er sich zum Gro&#223;- und Au&#223;enhandelskaufmann ausbilden, gr&#252;ndete 2014 ein Unternehmen f&#252;r Raumbeduftung, ehe er 2016 sein Studium der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie abschloss. In der Presse landete er zum ersten Mal zwei Jahre zuvor mit dem Vorschlag, Berliner U-Bahnh&#246;fe zu beduften. Seit 2016 sitzt er f&#252;r die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt.</p><p>Dort hat er Karriere gemacht, als idealer &#8222;Verk&#228;ufer von Ideologie&#8220;, wie es der Sozialwissenschaftler und Theologe David Begrich <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/afd-spitzenkandidat-landtagswahl-siegmund-108.html">einmal beschrieb</a>. Genau dieses Talent fehlte der Partei in Sachsen-Anhalt: Mit Oliver Kirchner kam sie 2021 nur auf 20,8 Prozent &#8211; das erste Mal, dass die AfD bei einer Wahl in Ostdeutschland ein schlechteres Ergebnis als bei der vorherigen Wahl einfuhr. Siegmunds Ziel lautet inzwischen &#8222;45 Prozent plus x&#8220;. Erreicht er es, wird er in wenigen Wochen der j&#252;ngste Ministerpr&#228;sident, den Deutschland je hatte.</p><h3><strong>Das gebrochene Versprechen der CDU</strong></h3><p>Wie Siegmund sich selbst versteht, zeigte Ende Juni eine Szene im Landtag, als die AfD eine Debatte zu 24 Jahren CDU-Regierung erzwang. Siegmunds Kritik zielte auf ein gebrochenes Versprechen: Ministerpr&#228;sident Reiner Haseloff war 2021 mit der Zusage angetreten, bis zum Ende der Legislatur im Amt zu bleiben, &#252;bergab dann aber im Januar 2026 an Sven Schulze. Darin erkannte Siegmund eine Missachtung des Volkswillens: &#8222;Es gibt in meinen Augen nur einen einzigen, der dar&#252;ber entscheiden sollte, wer hier Ministerpr&#228;sident wird: Das ist das Volk, das ist der Souver&#228;n&#8220;, rief er seinen Kollegen zu. Die konterten unisono, der Ministerpr&#228;sident werde gar nicht vom Volk gew&#228;hlt. &#8222;Nein, das ist das Parlament&#8220;, rief etwa die SPD-Frau Juliane Kleemann.</p><p>Siegmund blieb angesichts dieser Belehrung gelassen und schloss mit einer grunds&#228;tzlichen Ansage:</p><blockquote><p>&#8222;Das ist formal richtig. Aber es ist unser Anspruch als Demokraten, dass das Volk bei einer solchen wichtigen Entscheidung mitspricht. Und das hat es nicht, weil Sie das Volk belogen haben. Sechs Monate vor der Wahl so etwas zu machen, ist vielleicht parlamentarische Gepflogenheit, aber es ist unredlich gegen&#252;ber den Menschen in diesem Land. Es ist unredlich gegen&#252;ber der Demokratie.&#8220;</p></blockquote><h3><strong>Der Sieg wird schon vermittelt, bevor er real ist</strong></h3><p>Wichtiger als die Arbeitsweise der Bundesrepublik ist Siegmund, was der einfache B&#252;rger denkt. Das Volk w&#228;hlt den Ministerpr&#228;sidenten zwar nicht, doch Siegmund insistiert darauf, dass es f&#252;hlen soll, ihm sei etwas genommen worden. Und so wie das Gef&#252;hl, dass einem etwas genommen wurde, schon reicht, um eine Kr&#228;nkung politisch wirksam zu machen, reicht auch ein Gef&#252;hl der Zuversicht, um einen Umbruch wahr zu machen.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Die gute Laune, der Frohsinn der Radikalen ist die affektive Vorwegnahme eines Sieges, der formal noch gar nicht stattgefunden hat. Nach Jahren, in denen sich fast die gesamte AfD radikalisiert hat, k&#246;nnte man Siegmund damit als letzten wirklichen Populist der Partei bezeichnen: Er ist einer, der dem Volk aufs Maul schaut und mit einem Dauergrinsen Hoffnung anbietet, dass sich mit ihm wirklich etwas &#228;ndern wird.</p><h3><strong>Radikale Ideen im Hintergrund</strong></h3><p>Das hei&#223;t aber nicht, dass er keine radikale Vision verfolgen w&#252;rde. Mit Hans-Thomas Tillschneider steht einer der fundamentalsten Vordenker der AfD hinter ihm, er ist etwa verantwortlich f&#252;r das &#8222;Regierungsprogramm&#8220; des Landesverbands. Tillschneider vertritt einen strikten kulturellen Ethnopluralismus: Nicht Abstammung, aber hermetisch geschlossene Nationalkulturen sollen die V&#246;lker scheiden. Universalismus und Einwanderung gelten ihm, so f&#252;hrt er es in seinem gerade erscheinenden Grundsatzbuch &#8222;Kulturpolitik. Wie es ist deutsch zu sein&#8220; aus, als eine Art Angriff auf die Existenzbedingungen des Menschen. Harter Tobak, der wohl erst durch gute Laune mehrheitsf&#228;hig wird.</p><p>Siegmund ist also der strahlende Verk&#228;ufer einer radikalen Vision. Genau darin &#228;hnelt er dem immer gut gelaunten Mamdani, hinter dem mit <em>den Democratic Socialists of America</em> ebenfalls ein gefestigter ideologischer Unterbau steht. Auch Mamdani verspricht eine Politik ohne Vermittlungsinstanz, eine &#8222;politics of no translation&#8220;: ein Programm, das man beim Lesen sofort auf das eigene Leben beziehen kann, wie er im Sommer 2025 <a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/">dem </a><em><a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/">Time Magazine</a></em><a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/"> sagte</a>. Auch er k&#228;mpft um die Deutungshoheit &#252;ber das Gef&#252;hl: Politik soll unmittelbar als Erfahrung ankommen, ungefiltert von Institutionen oder Fachsprache. Und auch er verspricht, einen grunds&#228;tzlichen Politikwechsel &#252;ber einen blo&#223;en Personaltausch hinaus.</p><h3><strong>Pragmatische Ideologen</strong></h3><p>Beide gelten gleichzeitig als Pragmatiker mit Interesse an kreativen L&#246;sungen. Mamdanis Vorschl&#228;ge seien weniger radikal als das Zerrbild seiner Gegner, zugleich aufrichtiger in seinen linken Ambitionen, <a href="https://time.com/7308924/zohran-mamdani-interview-time/">urteilte der Journalist Mark Chiusano</a>, der ihn monatelang begleitete. Mamdani wollte die Polizei etwa vor einigen Jahren noch abschaffen, nach der Wahl lie&#223; er dann die technokratische Leiterin der Polizeibeh&#246;rde im Amt und versprach, die Zahl der Polizisten aufzustocken. &#196;hnliches gilt f&#252;r Siegmund, f&#252;r den ebenfalls nicht jede Entscheidung hundert Prozent AfD verk&#246;rpern muss. Und doch lautet der Leitspruch seiner Kampagne: &#8222;Alles ist m&#246;glich.&#8220; Sie beide verkaufen die Gewissheit, dass Politik noch etwas bewirken kann. Der Gute-Laune-Populismus ist das Mittel, um das auch plausibel zu machen.</p><p>Ja, die politischen Projekte der beiden unterschieden sich inhaltlich so stark, wie es nur denkbar ist. Mamdani ist ein universalistischer demokratischer Sozialist, seine Kampagne beruhte auf dem Versprechen, ein New York &#8222;f&#252;r alle&#8220; zu schaffen. Siegmund will nur Ministerpr&#228;sident f&#252;r alle &#8222;rechtschaffenen B&#252;rger&#8220; sein. Inhaltlich stehen die beiden Politiker f&#252;r entgegengesetzte Ziele. Der eine ist Sozialist, der andere radikaler Rechter.</p><p>Und doch verk&#246;rpern sie einen neuen Typ Politiker, der in den sp&#228;ten 2020ern zum Erfolgsgaranten radikaler Projekte werden k&#246;nnte. Beide beginnen ihre Karriere bei einer lokalen Wahl statt auf der nationalen B&#252;hne &#8211; dort, wo sich N&#228;he herstellen l&#228;sst. Beide verwandeln ihre enorme digitale Reichweite in reale Verbindungen: Mamdani rief im Rahmen seiner Kampagne zur Schnitzeljagd durch New York auf, bei Siegmund ist es die Simson-Ausfahrt.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p>Und beider Aufstieg wird von etablierten Medien in dunkelsten T&#246;nen gemalt: Mamdani galt als &#8222;<a href="https://www.wsj.com/opinion/zohran-mamdani-brings-third-world-prejudices-to-new-york-4b87c111">unpatriotisch</a>&#8220;, &#8222;<a href="https://www.washingtonpost.com/opinions/2025/11/03/zohran-mamdani-new-york-mayor-election/">unqualifiziert</a>&#8220;, &#8222;<a href="https://www.wsj.com/opinion/the-lure-of-comrade-mamdani-policy-mayoral-candidate-nyc-a61ca481">linksradikal</a>&#8220;, manchen gar <a href="https://www.wsj.com/opinion/escape-from-mamdanis-new-york-that-isnt-the-jewish-way-antisemitism-urban-decay-527b7386">als Antisemit</a>. Bei Siegmund vergisst kein Medium die Einordnung der AfD Sachsen-Anhalt als &#8222;gesichert rechtsextrem&#8220; durch den Verfassungsschutz, <a href="https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2026/05/LSA-Szenario_2026_Web_Einzel.pdf">bei der Amadeu-Antonio-Stiftung</a> hei&#223;t es sogar, er wolle Asylsuchende nach der Wahl in Lagern konzentrieren.</p><h3><strong>Was man bei Mamdani lernen kann</strong></h3><p>Aber was hei&#223;t das f&#252;r das Projekt von Ulrich Siegmund? Was kann man, gut sechs Monate nach Mamdanis Amtsantritt, von ihm f&#252;r eine m&#246;gliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt lernen? An Mamdani l&#228;sst sich insbesondere sehen, wie schnell sich der Wind drehen kann. Seine Zustimmung liegt zurzeit bei rund 53 Prozent und damit deutlich h&#246;her als vor seiner Wahl. Zeitungen, die seinen Sieg noch als Menetekel gedeutet hatten, berichten inzwischen n&#252;chterner, teils sogar positiv.</p><p>Allen, die darauf hoffen, dass sich ein AfD-Ministerpr&#228;sident an der Macht schnell entzaubern k&#246;nnte, sollten bedenken: &#196;hnliches wie bei Mamdani k&#246;nnte auch bei Siegmund passieren, wenn er zu Beginn vor allem pragmatische Gesetze umsetzt. Das deutet sich bereits am <a href="https://afd-lsa.de/wp-content/uploads/2026/07/100-Tage-Sofortprogramm.pdf">100-Tage-Programm</a> der Partei an: Darin geht es etwa um einen F&#252;hrerscheinzuschuss f&#252;r Auszubildende, um Deutschland- statt Regenbogenflaggen an &#246;ffentlichen Geb&#228;uden, um eine Reduzierung der Ministerien. Nach hundert Tagen k&#246;nnten auch bei ihm, wenn er sich pragmatisch genug zeigt, viele den Eindruck gewinnen, er sei gar kein so schlechter Verwalter.</p><p>Doch darf man nicht vergessen, dass dahinter eine langfristige Vision f&#252;r eine grunds&#228;tzlich andere Gesellschaft steckt. Das L&#228;cheln, der Pragmatismus, der Gute-Laune-Populismus ist nur das Mittel, mit dem man sie verwirklichen will. Man sollte, wie Mamdani zeigt, die Effektivit&#228;t dieses Mittels nicht untersch&#228;tzen. Die Zukunft geh&#246;rt wohl &#8211; im Guten wie im Schlechten &#8211; diesen kreativen, pragmatischen Ideologen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Eskalation in NRW: Worum geht es beim AfD-Streit?]]></title><description><![CDATA[Die AfD tritt zunehmend professionell auf. Doch ein Landesverband leistet Widerstand gegen den Kurs der Parteispitze. In NRW werden auf offener B&#252;hne Machtk&#228;mpfe ausgetragen.]]></description><link>https://www.ueberrechts.de/p/eskalation-in-nrw-worum-geht-es-beim</link><guid isPermaLink="false">https://www.ueberrechts.de/p/eskalation-in-nrw-worum-geht-es-beim</guid><dc:creator><![CDATA[Sebastian Friedrich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 25 Jul 2026 05:28:23 GMT</pubDate><enclosure url="https://api.substack.com/feed/podcast/208341482/8527b3daa1a7fd06dd04d9351e8996e1.mp3" length="0" type="audio/mpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><span>An den vergangenen beiden Wochenenden wollte die AfD in NRW eigentlich blo&#223; ihre Liste f&#252;r die Landtagswahl aufstellen. Doch der Parteitag eskalierte und sorgte daf&#252;r, dass der Landesverband sich nun im offenen Konflikt mit dem Bundesvorstand der Partei befindet. </span>Wir haben in den vergangenen Tagen mit Akteuren aus allen beteiligten Lagern gesprochen und so versucht, zu verstehen, worum es bei diesem Kampf um den Landesverband wirklich geht.</p><p>Deshalb rekonstruieren wir <span>in dieser Folge, was sich beim Parteitag abgespielt hat, bleiben aber nicht dabei stehen. Stattdessen beleuchten wir auch die Hintergr&#252;nde des Konflikts: Welche ideologischen, welche strategischen Differenzen spalten die Partei? Und was bedeutet der Machtkampf f&#252;r die Zukunft? </span></p><p>Dies ist eine von mehreren Podcast-Folgen, die wir jeden Monat produzieren. Dabei gibt es mindestens eine Folge, die sich &#8211; wie diese hier &#8211; mit einem aktuellen Thema besch&#228;ftigt, sowie eine weitere Bonusfolge, in der wir gemeinsam ein Buch lesen und &#252;ber die Theorien der Rechten sprechen. Da wir den Podcast und den Newsletter v&#246;llig unabh&#228;ngig betreiben, sind wir dabei auf deine Unterst&#252;tzung angewiesen. Du kannst uns bereits ab 5 Euro pro Monat unterst&#252;tzen und erh&#228;ltst Zugriff auf alle Folgen:</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://www.ueberrechts.de/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://www.ueberrechts.de/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>